Die USA sind ein klassisches Einwanderungsland; elf Prozent der Bevölkerung wurden im Ausland geboren. Aber Einwanderung bedeutet hier nicht das Gleiche wie in Europa. Denn bis vor wenigen Jahren war es das Ziel der Immigrationspolitik, die USA weißer zu machen – und nicht etwa bunter. Zu der Zeit, als sich die USA ausdehnten, wurde das neu gewonnene Land mit Millionen von Einwanderern aus Deutschland, Skandinavien, Irland und Italien besiedelt. Als die Sklaverei, zuerst im Norden, abgeschafft wurde, hätten viele Weiße die Schwarzen gerne ausgebürgert: Damals bildete sich die American Colonization Society, die befreite Sklaven ins afrikanische Liberia schaffen ließ.

Aber auch die weißen Einwanderer – allein zwischen 1892 bis 1924 kamen mehr als 16 Millionen Menschen – stießen auf Widerstände. Martin Scorseses Spielfilm Gangs of New York hat von den Kämpfen zischen »Natives«, englischstämmigen Protestanten, und katholischen Iren erzählt. Harper’s Weekly porträtierte damals Iren als Affen. Um 1849 wurde der Order of the Star-Spangled Banner gegründet, der allen Immigranten politischen Einfluss nehmen wollte. 1882 wurde das erste Gesetz erlassen, das die Einwanderung einschränkte: Kriminelle, Trinker, Prostituierte, aber auch Chinesen durften nicht einmal einreisen.

Der Zustrom riss trotzdem nicht ab. 1900 gab es bereits 76 Millionen Amerikaner, in der Mehrzahl weiß, aber von ursprünglich 10 bis 20 Millionen Indianern nur noch knapp zwei Millionen (diese wurden erst 1920 zu US-Bürgern erklärt). Rund eine Million Immigranten landeten jedes Jahr. Aber aus Sicht derer, die schon da waren, waren zu viele »falsche« Europäer darunter: statt Engländern und Skandinaviern, Iren und Italienern, polnische und russische Juden.

Damals kam die Bewegung der »Eugeniker« auf, deren wichtigste Vertreter Charles Davenport und Madison Grant waren. Das »Eugenics Record Office« suchte die Überlegenheit der nordischen Rasse zu beweisen, Grant warnte vor einer massenhaften Immigration von »schwachen und mental kranken Rassen aus dem Mittelmeerraum, dem Balkan und den minderwertigen polnischen Ghettos«. 1924 hatten sie Erfolg, als der US-Kongress den Immigration Restriction Act erließ, der Einwanderungsquoten festlegte, und zwar hohe Quoten für »nordische« Völker, und niedrige für Süd- und Osteuropäer. Das, aber auch die Weltwirtschaftskrise brachte die Immigration fast zum Stillstand.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Zahl der Einwanderer kontinuierlich an, aber der Anteil der Europäer sank. Bereits in den sechziger Jahren stammten von den 3,3 Millionen Immigranten nur noch 1,1 Millionen aus Europa, aber 1,7 Millionen aus Südamerika. 2004 zogen rund 950000 Menschen zu, darunter nur noch 128000 Europäer, davon fast die Hälfte aus Polen, Russland, der Ukraine und Bosnien. Mexiko führte die Liste mit 175000 Immigranten an, gefolgt von Indien, den Philippinen und China.

Heute gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten, eine Green Card, die ständige Aufenthaltsgenehmigung, zu bekommen, der erste Schritt zur Staatsbürgerschaft. Das sind: Familiennachzug, Bedarf des Arbeitgebers, Asyl und die so genannte Green Card Lottery. Bei dieser gelten sogar noch Quoten: Je weniger Leute aus einem Land kommen wollen, desto höher rangiert das Land in der Green-Card-Lotterie. Damit wolle man diversity erreichen, eine Mischung aus möglichst vielen Nationalitäten, so ein Sprecher des State Department. Da zuletzt nur noch wenige Europäer einwandern wollten, erhielt Europa beispielsweise im Jahr 2000 rund 25000 der 50000 verlosten Green Cards.

Für besonders qualifizierte Arbeitskräfte werden zusätzlich 140000 Green Cards im Jahr ausgegeben, hier muss der Arbeitgeber nachweisen, dass er vor Ort keinen Amerikaner für den Job findet. Für den Familiennachzug stellen die USA jährlich 226000 Green Cards zur Verfügung, weit unter Bedarf. Verwandte zweiten Grades müssen oft mehrere Jahre lang warten. Keiner Beschränkung jedoch unterliegen Ehegatten, Eltern und minderjährige Kinder von Amerikanern. 2004 machten sie knapp die Hälfte der 950000 Immigranten aus. Im gleichen Jahr wurden außerdem 10000 Asylsuchende und 60000 Flüchtlinge eingebürgert, aber zugleich mehr als eine Million Ausländer wieder deportiert, fast alle Mexikaner.