Um das Unglaubliche zu verstehen, muss man sich wahrscheinlich für einige Stunden in das "Grossforschungs- und Informationsbureau Grossner" am Hamburger Elbufer begeben. Man lässt den Blick über die riesigen Stahlskulpturen im Garten schweifen, man folgt dem Hausherrn durch die Wunderwelt seiner herrlichen Villa, man hört ihn murmeln: "Picasso", während man die Reproduktion eines Gemäldes passiert, man legt die vor Ehrfurcht erbebenden Hände auf eine der ersten Ausgaben von Kants Kritik der praktischen Vernunft, während Claus Grossner, der seinen Beruf wahlweise mit "Investmentbanker" oder mit "Wissensbroker" angibt, in irrwitzigem Tempo die Namen der Geistesgrößen, der Reichen und der Wichtigen aufreiht, die einander hier praktisch die Klinke in die Hand geben. Und allmählich wächst die Bereitschaft, zu glauben, dass in diesem Hause Dinge möglich sind, die sich ein schlichter Journalistenverstand nicht träumen lässt. Zum Beispiel, dass Hamburgs konservative Landesregierung unter ihrem Bürgermeisters Ole von Beust die Gründung eines grün-alternativen Think Tanks sponsert.

Nicht möglich? Wenige Tage nach dem Besuch liest man es schwarz auf weiß. "Hamburg wird Hauptsitz des Weltzukunftsrates", teilte die Landesregierung in der vergangenen Woche mit. "Senat und Wirtschaft unterstützen das Uexküll-Projekt in Millionenhöhe."

Jakob von Uexküll ist ein früherer Europaparlamentarier der Grünen und besser bekannt als Stifter eines Preises, der gewöhnlich etwas verkürzend als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird. Sein jüngstes Projekt wird durch den Ausdruck Think Tank allenfalls näherungsweise beschrieben. "Weltregierung" wäre vielleicht zutreffender.

"Ein powerhouse " werde das, eine "Clearingstelle" für die Probleme der Welt, sagt Wissensbroker Grossner, der die Ansiedelung des Zukunftsrates in Hamburg entscheidend befördert hat. Uexküll selbst spricht von einer "permanent high level advice commission", also einer hochrangigen und ständig tagenden Kommission von Ratgebern. In der Politik hat er ein "Trust Gap" ausgemacht, eine Glaubwürdigkeitslücke, die zu einem "Action Gap" geführt habe, einem Reformstau. In das Trust Gap will von Uexküll seinen Weltzukunftsrat schieben, ein Gremium aus weltweit anerkannten "leaders" ohne formale Macht, aber mit desto größerem "moralisch-ethischen Einfluss".

Demnach baut der Weltzukunftsrat die Führer der Welt von morgen auf?

"Das kann man so sagen."

Die Welt als Gelehrtenrepublik mit Regierungssitz in Hamburg