Den Kopf des Mohren, das Emblem des Traditionsunternehmens Julius Meinl, kennen 83 Prozent aller Österreicher. Kein anderes Firmensymbol, das ließen die Manager der ehemaligen Handelskette erfragen, erfreue sich eines höheren Bekanntheitsgrades (weder der Mercedes-Stern mit 73 Prozent noch das Red-Bull-Logo mit 50 Prozent). Seit gut einer Woche hat sich nun aber auch die Popularität des unumschränkten Herrschers des Imperiums, Julius Meinl V., 46, in ähnliche Dimensionen katapultiert wie jene seines Familienwappens.

Das passt dem Tycoon gar nicht in das Finanzkontor. Der Privatbankier zählt zu den verschwiegensten und medienscheuesten Milliardären des Landes. Ausgerechnet ein vermeintlich harmloser Yachtausflug hat sich für ihn zu einem Imagedebakel entwickelt. Plötzlich sieht sich der diskrete Geschäftsmann mit dem Vorwurf konfrontiert, in die Bawag-Affäre, einen der größten Finanzskandale der Zweiten Republik, verwickelt zu sein.

Im August 2005 luden Julius und seine Frau Franziska »Spängi« Meinl einige Freunde zu einer sommerlichen Bootsfahrt. Im kroatischen Dubrovnik wurde eine standesgemäße Yacht gechartert. In den Genuss der exklusiven Meinl-Einladung kamen auch Spängis »Busenfreundin« Fiona Swarovski und ihr damaliger Lebensgefährte und heutiger Gatte Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Ein weiterer Gast, als Einziger solo angereist, war der New Yorker Investmentbanker Wolfgang Flöttl, jener Mann, der heute als Totengräber der Gewerkschaftsbank gilt. Zum Zeitpunkt des unbeschwerten Adria-Turns waren Flöttls Spekulationsverluste allerdings nur einem kleinen, verschworenen Kreis von Bawag- und ÖGB-Bossen bekannt. Allenfalls der Finanzminister hätte aus einem Bericht der Nationalbank über die undurchsichtigen Karibik-Geschäfte ansatzweise Bescheid wissen können.

Ins Zwielicht geriet der Trip erst nach dem Platzen der Blase. Im Zuge der Affäre wird auch nach verschollenen Gemälden gefahndet, die Flöttl als Wiedergutmachung seiner Pleite der Bawag zur Verwertung überlassen haben soll. Einem Hinweis aus Kunstsammlerkreisen verdankte nun der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl die Information, dass die Bilderfreunde rund um Flöttl ein enges soziales Netz verbindet und man eben auch mal gern gemeinsam durch die Adria schippert. Das musste die illustre Runde schließlich eingestehen.

Kritiker der Episode vermuten nun finstere Business-Mauscheleien an Bord. Das verliebte Jet-Set-Duo Fiona-KHG will hingegen nur Augen füreinander besessen haben. Die dürre Meinl-Version: Man habe »nicht im Entferntesten mit der Bawag-Affäre« zu tun.

Doch die Persönlichkeitsstruktur des Gastgebers ebenso wie seine privaten und geschäftlichen Verbindungen zu dem Pleitier Flöttl nähren Zweifel an der Harmlosigkeit des Vergnügens. Julius Meinl V. wird von seiner Umgebung als äußerst zielstrebig beschrieben, ein Mann, der mit kalter Kalkulation seine Pläne verfolgt. »Wenn er was vorhat«, so eine Einschätzung aus dem inneren Kreis, »dann zieht er das durch, und zwar scharf wie eine Rasierklinge.«

Die Meinls gelten als hervorragende Gastgeber, die genau auswählen, wem sie das Privileg einer Einladung zugestehen. Bei hochrangigen Mitarbeitern des Meinl-Imperiums kann eine Einladung Belohnung oder Abmahnung bedeuten. »Diese Einladungspolitik wird sehr gezielt für Freunde oder Günstlinge seines Königreiches eingesetzt«, heißt es. »Es gibt keine Zufälle im Leben des Julius Meinl.« Michael Tojner von einem der größten österreichischen Venture-Capital-Fonds, Global Equity Partners, der 2000 mit finanzieller Hilfe der Meinl Bank gegründet wurde, ist einer der wenigen aus der Branche, die sich offen über den großen Anti-Kommunikator zu äußern wagen. »Meinl ist wendig wie ein Fisch«, sagt er, »und aggressiv im Geschäft: Hart, aber fair.«