Der Gerichtsdiener spricht mit ausdrucksloser Miene. »Erheben Sie sich!« Dann betritt Richter David Penry-Davey den Gerichtssaal Nummer elf des Londoner Kriminalgerichts Old Bailey. Sir David ist einen Meter neunzig groß und besitzt die natürliche Würde, die jemand braucht, wenn er einen scharlachroten langen Mantel mit dunkelblauen Manschetten tragen muss, der formvollendet mit einem breiten Stoffgürtel tailliert wird. Dazu ruht auf seinem Kopf eine Perücke aus weißem Pferdehaar im Stil Friedrichs des Großen. Sie ist um drei Nummern zu klein. Der Fundort eines Teils der Millionenbeute: Die Elderden Farm gehört dem Hauptverdächtigen BILD

»Guten Morgen«, murmelt der Richter, als er sich auf seinem Sessel niederlässt. Sein Blick schweift durch den Raum, und dann beugt er sich zu der Protokollführerin Ruth, die unterhalb seiner Richterbank in einem scheinbar unübersichtlichen Chaos von Telefonen, Aktenordnern, Papierstapeln und einem Computerterminal sitzt. »Klappt das mit der Übertragung?«, fragt er freundlich und deutet mit seinem Kopf auf einen Videobildschirm, der oben an der Besuchergallerie angebracht ist.

Auf dem Bildschirm sieht man die Angeklagten. Drei Frauen und sechs Männer. Sie sitzen im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh auf blauen Klappsesseln und schauen unbeteiligt in die Kamera.

»Alles klar, Mylord«, antwortet Ruth.

»Sehr schön, dann können wir ja anfangen.«

So begann kürzlich die Gerichtsverhandlung zu einem der spektakulärsten Raubüberfälle in der britischen Kriminalgeschichte.

Am 22. Februar hatte eine Bande aus einem Gelddepot in Tonbridge, einer Kleinstadt in Kent, im Süden Englands, 53.116.760 Pfund geraubt – ein Rekord. Und ein kriminelles Meisterstück. »Generalstabsmäßig vorbereitet und mit militärischer Präzision ausgeführt«, erklärte der Fahndungsleiter der Polizei, Adrian Leppard, nach der Tat mit verkniffenem Mund.