Dank Seniorprofessur können Sie fünf Jahre lang weiterforschen – bis weit jenseits der Pensionsgrenze. Die Hertie-Stiftung will so auf das »unterschätzte Forschungspotenzial« älterer Wissenschaftler hinweisen. Fühlen Sie sich unterschätzt?

Überhaupt nicht. Ich finde nur, dass der 65. Geburtstag zu früh ist zum Aufhören. Von einem Maler erwartet doch auch niemand, dass er mit 65 den Pinsel fallen lässt. Meine Seniorprofessur ist nur der Anfang. Andere werden folgen.

Ihren Lehrstuhl und Posten als Klinikdirektor wären Sie spätestens in zwei Jahren losgeworden. Was hätten Sie ohne Seniorprofessur danach gemacht?

Vielleicht wäre ich ins Ausland gegangen. Bislang machen das viele wissenschaftlich aktive Professoren, zumindest in der Medizin. Nach ihrer Emeritierung gehen sie in die USA oder nach Australien, weil es da keine Rolle spielt, wie alt, sondern nur wie produktiv jemand ist. Zum Glück findet in Deutschland gerade ein Umdenken statt. Die Unis entdecken die Forscher um die 65. Bald werden sie sich einen regelrechten Wettbewerb um die Älteren liefern, anstatt sie pünktlich in Pension zu schicken.

Was können ältere Wissenschaftler besser?

Oft haben die Älteren über Jahrzehnte drittmittelgeförderte Forschungsgruppen aufgebaut, die sie in eine Seniorprofessur mit einbringen können. Bei mir sind das etwa 15 Spezialisten. Und die Älteren haben die Kontakte zu den Spitzenlabors in der Welt, öffnen Türen für ihre Mitarbeiter. Die Seniorprofessur nimmt den Jungen nichts weg. Sie gibt ihnen die Chance, länger mit den Erfahrenen zu arbeiten.

Wann wollen Sie denn mal kürzer treten?