Die neue Coca-Cola ist schwarz und heißt Zero. Soviel vorweg. Der Deckel ist schwarz, das Etikett ist schwarz, die Cola ist, logisch, schwarz. Das Etikett ist reichlich rätselhaft gestaltet. Erst wirkt das, was da links und rechts vom Logo zu sehen ist, wie ein Schmutzfleck wenn man aber genauer hinsieht, dann erkennt man dort weiße Quadrate, die wie Eiswürfel ausschauen. Dazwischen quellen Wolken, aus denen Eiszapfen zu wachsen scheinen. Es gibt einen winzigen Troll, der auf etwas einhämmert. Außerdem zeichnet sich ein schwarzer Schatten ab, der an eine Überwachungskamera erinnert: Vielleicht ist es die Hitze, jedenfalls wirkt die Flasche nicht nur sehr rätselhaft, sondern ganz schön apokalyptisch.

Es ist, so heißt es, die größte Idee seit Coca-Cola Light 1983 auf den Markt kam damals wollten die Menschen dünner werden und fitter, und die Cola schmeckte süßer, obwohl sie weniger Zucker enthielt, und vor allem Frauen kauften diese Cola, weil die Männer wohl noch nicht entdeckt hatten, dass sie auch eine feminine Seite haben. Heute enthält sie gar keinen Zucker mehr, und die Frage ist, was es über unsere Zeiten aussagt, dass diese neue Cola vor allem auf junge Männer zielt, eine wohl ziemlich bedrohte und eingeschüchterte Spezies dieser Tage, zwischen Kinder-Boom und Karriere-Crash irgendwie verloren. Der Fernseh-Spot, mit dem für Coke Zero geworben wird, zeigt dann auch einen aufstrebenden Angestellten mit Krawatte, der auf ein Busdach klettert und das Leben bejubelt, kaum hat er etwas von der neuen Cola getrunken.

In Australien, wo der Spot produziert wurde, gab es übrigens Proteste, der Spot wurde gestoppt, wegen Verharmlosung von gefährlichen Vergnügungen und mal ganz abgesehen davon, dass auch das Leben an sich eine gefährliche Vergnügung ist, bleibt die Frage, ob die neue Coke Zero das ist, was uns in diesen prekären, freiheitsbedrohten Zeiten fehlt. Die Zutaten klingen gefährlich, eine heißt Ace-K - das Koffein ist so kräftig wie in der normalen Cola - und die Grundstimmung, die diese kompakte, schwarze Flasche verbreitet, ist weniger die eines freundlichen Gesundheitsangebots für gut gelaunte Großstadtmenschen, mehr die einer lauernden, geduckten Aggressivität.

Es kann also sein, dass die neue Cola ganz richtig an eines der Markenzeichen unseres neuen Jahrzehnts erinnert: Ground Zero. Was dort auf dem Etikett wächst, ist die Paranoia. Die Null, die als Verkaufsargument für die jungen, männlichen Kunden dient, ist also weniger eine Diätangabe als die Chiffre eines unheimlichen Verlusts.