Die sächsische NPD geriert sich neuerdings als Verfechterin einer idealen Politik im Aristotelischen Sinne: Gerechtigkeit, Verfassungstreue, Regieren zugunsten der Beherrschten. Wer das Parteiprogramm der NPD und ihre antiparlamentaristischen Parolen kennt, wird zwar nicht versucht sein, an die Liebe dieser Partei zur klassischen Demokratie zu glauben. Doch in der Praxis, im Dresdner Landtag, nutzt die NPD jede Gelegenheit, sich als Vorkämpferin des Guten zu inszenieren. Wenn die Hartz-IV-Gesetze zum Nachteil der Arbeitslosen verschärft werden, protestiert am heftigsten die NPD.

Wenn die Sächsische Landesbank zwielichtige Kapitalmarktgeschäfte tätigt, wenn eine Gedenkfeier zum 17.Juni von Parteipolitikern gemieden wird oder im Plenarsaal so viele Abgeordnete fehlen, dass der Landtag nicht beschlussfähig ist, interveniert die NPD. Geschickt nutzt sie die Pflichtvergessenheit anderer Parteien, um ihre eigene moralische Überlegenheit herauszustellen. Und hat damit Erfolg.

Vergangene Woche, bei einer Nachwahl für den Untersuchungsausschuss zur Landesbank, erhielt der NPD-Kandidat 34 von 116 Stimmen, sein Stellvertreter 32 obwohl die Fraktion nur neun Mitglieder zählt.

Damit sind die gefürchteten Rechten in der gepriesenen Mitte angekommen, wenn nicht der Gesellschaft, so immerhin des Landtags.

Jetzt ist die NPD gefährlicher denn je. Denn ihre demonstrative Redlichkeit (der Wertkonservatismus, das Sozialrevolutionäre) sind ein Trojanisches Pferd, in dessen finsterem Innern sich Revisionismus, Intoleranz und Ausländerhass verbergen.