Seit den sechziger Jahren hängt Europas Gasversorgung, so auch die deutsche, zu einem Drittel an Russland. Dessen Staatskonzern Gazprom gilt seit dem Streit mit der Ukraine Anfang 2006 als unsicherer Lieferant, der zudem immer mehr Kunden in Asien und den USA beliefern will. Die Internationale Energieagentur IEA fürchtet daher, dass Gazprom in den nächsten Jahren noch nicht einmal die laufenden Verträge erfüllen kann. Europa aber, so der italienische Energiekonzern Eni, werde schon bald zusätzliche 220 Milliarden Kubikmeter Gas benötigen, zwei Drittel davon würden als verflüssigtes Erdgas (LNG) kommen.

Weltweit die größten Erdgasreserven besitzt Qatar. Dort steht auch die Hälfte aller im Bau befindlichen Kapazitäten zum Export verflüssigten Erdgases (das nicht zu verwechseln ist mit Flüssiggas). Wichtigste Lieferanten weltweit sind indes Indonesien (17 Prozent), Malaysia (15 Prozent) – mit Qatar kurz dahinter (14 Prozent). Wichtigster Importeur ist der Inselstaat Japan, der fast die Hälfte aller LNG-Transporte einführt. Europas größter Importeur ist Spanien.

Rund ein Viertel allen gehandelten Erdgases wird als LNG transportiert. Angetrieben durch technologische Fortschritte und niedrigere Kosten, bilden die früher regionalen Erdgasmärkte immer mehr einen Weltmarkt. Die Schiffe erschließen den Industrieländern auch weit entfernte Reserven als Quellen.

Die erste Verflüssigungsanlage entstand 1964 in Algerien, heute gibt es weltweit knapp 30. Als Pendants fungieren etwa 50 Anlagen, die LNG wieder aufwärmen und in Gas zurückverwandeln, so etwa das Terminal im belgischen Zeebrügge. Die USA planen hohe Investitionen in neue Importanlagen, in Wales und Italien entstehen zusätzliche Terminals. E.on Ruhrgas erwägt, Wilhelmshaven als Tor für LNG zu nutzen, RWE will in Rotterdam investieren. Weltweit sind für die nächsten Jahren Hafenanlagen für 120 Milliarden Euro geplant. Verbinden sollen sie die LNG-Tanker, von denen es derzeit rund 200 gibt. Schon in weniger als zehn Jahren soll die doppelte Anzahl – und diese auch mit mehr Ladekapazitäten – unterwegs sein. (SAN)

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