Eine Stadt, als Kulisse für Kunst und edle Antiquitäten wie gemacht: mit ihrem prachtvollen Kaiserdom von 1237, dem Rathaus auf der Insel – Gebäude und Brücke über den Fluss Regnitz zugleich –, dem Gewirr der Gassen und ihren mittelalterlichen Häusern und barocken Palästen, wundersam vom Krieg verschont. Nicht ohne Grund wurde Bamberg 1993 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. BILD

Geschichtliche und kulturelle Ereignisse haben seit der Stadtgründung im siebten Jahrhundert nach Christus derart eindrückliche Spuren hinterlassen, dass sich Händler und Sammler von Antiquitäten in Bamberg einfach wohl fühlen: In kaum vergleichbarer Dichte und Qualität ist die Stadt zum Zentrum für hochwertige Sammelobjekte geworden. Rund 40 Händler leben hier, ihre Bandbreite ist groß. Gotische Skulpturen, signierte Möbel des 18. Jahrhunderts, dänisches Silber, Gemälde der klassischen Moderne, zeitgenössische Skulpturen und Reiseutensilien, die an Kreuzfahrten auf Luxuslinern der dreißiger Jahre denken lassen, sind nur ein kleiner Teil des Angebots. Die Wege zwischen den Händlern sind kurz in Bamberg, unversehens spazieren Besucher von einer Schatzkiste mit Antiquitäten zur nächsten.

Es muss Begeisterung für die Kultur dieser Stadt gewesen sein, die auch auswärtige Händler angezogen hat. Zum Beispiel den gebürtigen Ungarn und Wahl-Bamberger István Csonth. Vor zwölf Jahren ersann er die Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen, die nun bis zum 21. August zum elften Mal stattfinden. Mit seiner Initiative brachte Csonth, heute Experte für Tassen, Sitten- und Tischgeschichte, die Stadt ins Bewusstsein der Liebhaber erlesener Objekte.

Der Antiquitätenhändler Christian Eduard Franke lebt seit 16 Jahren in Bamberg. Mit einem Partner bietet er in einem gotischen Stadthaus auf 400 Quadratmeter und zwei Etagen Antiquitäten aus dem 18. und 19. Jahrhundert an – eine Präsentation, die ihresgleichen sucht. Restaurierte frühere Remisen im Erdgeschoss sind Schaufenster für Möbel, Gemälde und Silber. Im ersten Stock geben kleine Salons eine Vorstellung vom Leben mit kostbaren Gegenständen, so mit einem Verwandlungssekretär von 1795: Der Leipziger Hofebenist Gottfried Gottlob Hoffmann hatte dem Mahagoni-Möbel einst einen gepolsterten und ausklappbaren Hocker beigefügt. Ein ungewöhnlich großformatiges Kinderporträt gibt es für 48000 Euro zu kaufen: Es zeigt den fünfjährigen Baron von Fechenbach, einen Bruder des Erzbischofs von Bamberg, und wird Johann Friedrich August Tischbein zugeschrieben. »Nirgendwo anders als hier bietet der Handel so viel Ware an«, sagt Franke.

Werbung für die Antiquitätenstadt Bamberg macht auch der Händler Walter Senger. Kein Wunder: Gleich drei Geschäfte besitzt er hier. Durch regelmäßigen Besuch der Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht hat Senger schon viele internationale Besucher nach Bamberg in seine kühlen Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert locken können. Etwa zwanzig mittelalterliche, holzgeschnitzte, teils noch original polychrom bemalte Heilige stellt er aus – die Sammlung sei in Deutschland so gut wie ohne Konkurrenz. Ein Paar der Apostel Petrus und Paulus, entstanden um 1420 in Thüringen, ist für 75000 Euro zu haben.

Ein Haus weiter könnten Liebhaber der Malerei des 20. Jahrhunderts ins Schwärmen geraten. Hauptwerke von Alfons Walde bietet der Händler Thomas Herzog für 150000 bis 250000 Euro, auch einen späten Blumenstrauß von Gabriele Münter. Im Schaufenster tänzelt ein Paar aus Schilfsandstein nach Ferdinand Tietz aus dem 18. Jahrhundert.

Einen mutigen Sprung in die zeitgenössische Kunst wagt die Galerie Sculptur. Derzeit stellt sie die bronzenen Menschengestalten des 1939 geborenen Georg-Kolbe-Preisträgers Christian Höpfner aus, der als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg lehrt.