Auf Kritik aus der Ökoszene pflegt die Formel-1-Gemeinde mit großer Gelassenheit zu reagieren. Doch an diesem Wochenende, wenn Schumi & Co ihre Runden in einem nur ob seiner Rennstrecke bekannten badischen Ort mit Namen Hockenheim absolvieren, könnte das anders sein. Denn die Ökos, die diesmal die Vergeudung von Ressourcen beklagen, sind Ökonomen, und es geht ihnen nicht um Benzin, sondern um Geld. Diesen Großen Preis von Deutschland bezahlen zu beträchtlichen Teilen die Steuerzahler. Addiert man Subventionen und Bürgschaften infolge des großen Streckenumbaus im Jahr 2002, so kommt man pro Formel-1-Rennwagen und Runde auf dem Hockenheimring auf gut 12000 Euro, das Rennen vom Wochenende schon mitgerechnet. Und es ist fraglich, ob die Fahrer noch oft Gelegenheit bekommen, ihren Rundendurchschnitt zu verbessern. BILD

Hockenheim Ende Juli. Die Hockenheimring GmbH wirbt für ein »Megaevent«, doch hinter den Kulissen ist die Stimmung trübe. Die Formel 1 gerät in Deutschland zu einem ökonomischen Desaster, und besonders hart trifft es das 20000-Seelen Nest Hockenheim. Allein für dieses Jahr hat die Stadt an die vier Millionen Euro zurückgelegt, um die Verluste aus dem Rennen aufzufangen. Schlimmer noch ist, dass Hockenheim Bürgschaften von mehr als 35 Millionen Euro übernommen hat, um die Insolvenz ihrer hoch verschuldeten Rennstrecken-GmbH abzuwenden. Schwer vorstellbar, dass das Motorsportgeschäft je genug Geld abwerfen wird, um die Gemeinde aus dieser Verpflichtung zu entlassen.

Wie konnte es so weit kommen? Offensichtlich hat sich die größtenteils städtische Hockenheimring GmbH mit der aufwändigen Modernisierung von Strecke und Tribünen im Jahr 2002 weit übernommen. Damals führte in Hockenheim seit fast einem Vierteljahrhundert Oberbürgermeister Gustav Schrank die Geschäfte, ein ehemaliger Prokurist der Hockenheimring GmbH, der als letzte Amtshandlung im Jahr 2004 eine weitere Bürgschaft der Stadt für die Rennstrecke durchsetzte. Altbürgermeister Schrank hat sich bislang auf eine dünne Erklärung gegenüber der Lokalpresse beschränkt, derzufolge es ohne den Umbau »die Formel 1 in Hockenheim nicht geben« würde – eine Möglichkeit freilich, die im Rückblick durchaus ihren Reiz hat.

»Es regnet Goldstücke«, hieß es damals in der Formel 1

Man muss zur Ehrenrettung Schranks sagen, dass um die Jahrtausendwende die Formel-1 besser dastand als heute. Es war die Zeit des Schumi-Booms, der überfüllten Tribünen, der Spitzenquoten für die Fernsehübertragungen aus Monaco, Silverstone und Indianapolis. »Es regnet Goldstücke«, verkündete damals ein Geschäftsführer der Konkurrenten vom Nürburgring. Kann man es den Hockenheimern verdenken, dass sie von diesem Regen mehr in ihre Kassen leiten wollten?

Bislang verdiente mit der Formel 1 vor allem einer. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ließ sich die Auftritte seiner Truppe mit ständig wachsenden Millionenbeträgen bezahlen. Um mit dem Kartenverkauf besser zu verdienen, musste man in Hockenheim also entweder die Preise erhöhen oder mehr Tickets absetzen.

Der 30. Juli 2000 war ein großer Tag in der Geschichte des Hockenheimrings. Während Rubens Barrichello auf der Strecke seinem Sieg entgegenfuhr, machte Ministerpräsident Erwin Teufel dem Herrn der Formel 1 seine Aufwartung und verkündete nach einer Audienz in Ecclestones Luxusbus, Baden-Württemberg werde sich am Umbau der Rennstrecke beteiligen. Am Ende waren es 15,3 Millionen Euro, die das Land beisteuerte.