Heute erkennen wir in der oft geschmähten Franzosenzeit die Anfänge des modernen Deutschlands. Gerade jetzt, zum 200. Sterbetag des Alten Reiches, des alten Preußen auch, das im Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt unterging, wird davon viel die Rede sein. Vergessen sei aber nicht, dass die meisten Menschen damals gar nicht wussten, wie ihnen geschah. Für sie war die Periode zwischen Valmy und Wiener Kongress vor allem eine Abfolge von Kriegen und Krisen. Sie hielten ihre Gegenwart weder für den Beginn deutscher Größe noch für einen Aufbruch in moderne Zeiten, sondern – in den Worten des konservativen Publizisten und Propagandisten Friedrich Gentz – für den »grausamsten Weltkrieg, der je die Gesellschaft erschütterte«.

Die Autorin ist Dozentin für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen. Ihr Buch über den »Mythos vom Befreiungskrieg« erscheint im Januar 2007 im Schöningh Verlag. Mehr zum Thema auch in der neuen Ausgabe unseres Magazins ZEIT Geschichte, die jetzt an jedem Kiosk zu haben ist: »Napoleon in Deutschland«; 99 S., 4,50 €