Was tut diese Hand? Ekelhaft ist es, was Sie am Ende dieser Bildergalerie zu sehen bekommen. Ganz bestimmt. Sie werden es nicht mögen. Oder ist Ihre Lust am Ekel größer als die Abscheu? Jeder kennt sie, diese grausige Lust. Warum sonst gehen wir freiwillig ins Kino und sehen uns an, wie jemand seinen Kopf ins ungeputzte Klo steckt ( Trainspotting )? Wie Aale durch einen abgetrennten und ausgehöhlten Pferdekopf glitschen ( Die Blechtrommel )? Oder wie ein Auge mit dem Messer aufgeschlitzt wird ( Der andalusische Hund )?
Klicken Sie sich weiter, lesen Sie über den Ekel – und sehen Sie jedes Mal mehr vom Ekelbild. Wollen Sie? Oder wollen Sie lieber nicht? Sie können sich nach jedem Klick wieder neu entscheiden. Foto: Christa Pfafferott

Wo schau ich hier hinein? Ekel ist biologisch sinnvoll. Wir ekeln uns vor verschimmelten oder mit Maden besiedelten Speisen, vor Exkrementen oder vor giftigen Spinnen und Schlangen, damit wir diesen Dingen nicht zu nahe kommen oder sie gar aufessen und unsere Gesundheit aufs Spiel setzen. Ekel mahnt uns zur Hygiene. Bei bestimmten Hirnverletzungen kann es geschehen, dass den Betroffenen ihr Ekelgefühl abhanden kommt. Wie im Fall von Herrn B., in dessen Gehirn beide Mandelkerne sowie diverse andere Areale verletzt waren, darunter eine Region namens insulärer Cortex . Die Folge: Er trank beispielsweise verdorbene Milch, in der schon Klumpen schwammen, und fand sie lecker. Deshalb wohl schützen wir Menschen uns mit dem universellen Gefühl Ekel.

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Was wird hier zubereitet? Menschen ekeln sich überall auf der Welt. Doch erst ihre Kultur legt sie auf die Objekte ihres Ekels fest. Kleine Kinder sind noch unbefangen interessiert an dem, wovor sich die Erwachsenen abwenden. Später spielen sie dann gerne mit den Tabus der Alten. „Kackawurst, Kackawurst“, rufen sie lachend, einfach nur, weil es verboten ist.
An dem, was wir gerne essen oder was wir nur mit großer Überwindung zu uns nehmen würden, sehen wir die kulturellen Unterschiede besonders deutlich. Wer kann sich hierzulande schon vorstellen, dass er das Hirn aus einem gerade geöffneten Affenschädel löffeln möchte? Eine Delikatesse in Taiwan. So weit muss man gar nicht fahren: Auch auf einen Schafsmagen, der mit Haferflocken gefüllt wird – dabei handelt es sich um die schottische Nationalspeise Haggis – freuen sich nicht unbedingt viele. Asiaten wiederum schütteln sich, wenn sie stinkenden, womöglich schimmeligen Käse essen sollen. Eine nicht ganz unglaubwürdige Theorie besagt, Nationalgerichte dienten der psychologischen Kriegsführung. Sie würden erfunden, um Fremde abzuschrecken.

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Was geschieht dem Tier? Trotzdem trifft der Ekel jeden allein, ganz privat und körperlich - und immer wieder neu. Er wird in der Fantasie des Einzelnen ausgetragen. Wer sich normalerweise entsetzlich vor den Ausscheidungen anderer ekelt, hat keinerlei Widerwillen gegen den Windelinhalt des eigenen Babys . Wer täglich Kühe schlachtet, schreckt vor Blut und Innereien nicht zurück. Umgekehrt können Menschen Ekelgefühle bei sich selbst erzeugen, die ihr eigenes Leben erschweren oder sogar das anderer in Gefahr bringen. Wer seine Vorurteile pflegt, kann so weit gehen, dass er bestimmte soziale Gruppen – das können wahllos Obdachlose, Homosexuelle oder Menschen mit Sommersprossen sein - in seiner Fantasie vollständig entmenschlicht und als ekelhaft empfindet. Mit schrecklichen Folgen.

Noch zwei Bilder, dann haben Sie es hinter sich. Foto: Christa Pfafferott

Der letzte Aufschub Kurz vor dem letzten Bild: Reden wir über die Schönheit. Eine Leiche mit offenen Wunden an Händen und Füßen – das ist Jesus am Kreuz. Doch sein Abbild ekelt die Christen nicht. Die Leiche ist ästhetisiert, eine Metapher. In der Kunst kann schön sein, was in der Realität schwer anzusehen wäre. Umgekehrt kann eine zu perfekte Nachbildung eines am lebenden Menschen gar nicht ekelhaften Körperteils Schauder hervorrufen. Michel Chaouli philosophierte in der ZEIT über einen Scherzartikel, über Van Goghs Ohr , um dem Ekel auf die Schliche zu kommen. Ekelhaftes und Schönes sind sich wahrscheinlich sehr nahe, weil beide sich aufdrängen, weil die Welt einen sowohl mit dem Schönen als auch mit dem Ekeligen intensiv und oft unerwartet berührt, „wie zum Genusse“ - so formuliert es Kant. Die Schönheit kann man genießen, den Ekel nicht mehr.

Aber wer weiß. Auf dem nächsten Bild sehen Sie alles. Foto: Christa Pfafferott

Nahrung für die Schlange Das Bild entstammt einem Dokumentarfilm über den Ekel von Christa Pfafferott. Der Film wurde auf diversen Festivals ausgezeichnet. Darin erzählt die Besitzerin eines Reptilienzoos aus ihrem Alltag und über ihr Verhältnis zum Ekel. Einen Ausschnitt aus dieser Episode können Sie hier sehen. Die bereits tote Ratte wurde zerschnitten, um eine kleine Schlange zu füttern, die die ganze Ratte nicht schlucken konnte. In einer weiteren Episode wird der Alltag einer Fußpflegerin gezeigt , die unbefangen die Hühneraugen einer alten Dame behandelt.

Wenn Sie mehr wissen wollen: Hier geht's zum Artikel über eine Ekelforscherin: Die Lust am Ekel

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Foto: Christa Pfafferott