"Die Zunge eines Hundes ist nicht nur sein Waschlappen, sondern auch sein Toilettenpapier", sagt der amerikanische Tierarzt Gary Clemons, der in einer Radiosendung Haustierbesitzer berät. Je nachdem, was der Hund zuletzt getan hat, kann sein Maul die übelsten Bakterien enthalten, und auch im "Normalbetrieb" ist es keineswegs keimfrei, sondern mindestens genauso besiedelt wie unser Mund. Das kann man übrigens auch riechen.

Ein Grund für das Gerücht, ein Hundemaul sei sauberer als ein Menschenmund, ist die Tatsache, dass viele Bakterien artenspezifisch sind – sie befallen den Hund, aber nicht den Menschen. Das gilt aber längst nicht für alle Bazillen, siehe den Tollwuterreger, der für Mensch und Tier gefährlich ist.

Lange Zeit hieß es auch, Hundebisse seien für den Menschen weniger gefährlich als Menschenbisse. In medizinischen Studien war das sogar belegt worden. Neuere Untersuchungen legen aber nahe, dass diese Ergebnisse auf eine falsche Auswahl der Fälle zurückzuführen waren – vergleicht man die Bisse, die wirklich vergleichbar sind, so ist die Infektionsrate dieselbe: Bei etwa zehn Prozent der Bisse kommt es zu gefährlichen Entzündungen – egal, ob der Mensch von einem Artgenossen oder einem Tier gebissen worden ist.
Christoph Drösser

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