Die Weltpremiere von Oliver Stones World Trade Center ging auf bemerkenswerte Weise zu Ende. Im Ziegfeld Theatre in der 54. Straße in New York war es ganz still geworden. Reglos saßen die Zuschauer – Polizisten, Filmstars, Produzenten, Feuerwehrleute, Schriftsteller, Sanitäter – auf ihren Plätzen, selbst dann noch, als die unbedeutendsten Namen im Abspann über die Leinwand liefen. Second Unit First Assistant Director, Visual Effects Coordinator, Transportation Coordinator. Dann fiel der Vorhang, Beifall brandete auf.

Es schien, als könnte die Geschichte nur auf diese Weise enden, als sollte sie nur auf diese Weise enden – gewissermaßen eingefroren, ohne Folgen, nur diese eine Geschichte von Mut und Überleben und Standhaftigkeit. Aber Geschichten enden nicht, sie kollidieren mit dem, was als Nächstes kommt, und die Geschichte von Oliver Stones Blick auf den 11. September hat weniger mit dem Film selbst zu tun als damit, wie er sich auf ein Land auswirken könnte, das so dringend ein kleines Stückchen Wahrheit braucht.

Es geht um das tiefe Bedürfnis nach Katharsis, nicht um Sieg

George Bush und seinen Freunden wird dieser Film gefallen, aber auch den meisten anderen Menschen, die noch ein Herz haben, ganz gleich, wo sie politisch stehen. Während die konservative Rechte den Film bereits für ihre Zwecke zu reklamieren beginnt, werden andere sich den Zucker von den Ärmeln schütteln und fragen: Was ist aus uns geworden? Was ist im Namen dieser Tragödie angerichtet worden?

Stones World Trade Center könnte so etwas wie ein moralischer Wetterbericht werden.

Es ist eine einfache Geschichte, einfach erzählt. Zwei Polizisten sind in einem Aufzugschacht unter den eingestürzten Türmen eingeschlossen. Zwei anständige, zuverlässige, normale Kumpel, die in der Trümmerhölle ums Überleben kämpfen. Feuerbälle schießen vorbei, ganze Steinbrocken fallen ihnen in den Mund. Eingeschlossen, den Tod vor Augen, sprechen die Männer miteinander, in einfachen, ungekünstelten Dialogfetzen, über Kücheneinrichtung, Szenen aus Starsky and Hutch, die Namen ihrer Kinder.

Die Stunden gehen dahin, die Leichen ihrer Kollegen verwesen. Im Dunkel lösen sich Schüsse. Die Angehörigen draußen durchleben ihre eigenen Schrecken. Ein US-Marinesoldat, angespornt durch seinen Glauben, führt die Rettungsaktion an. Die Männer kommen heraus, und dann erklärt eine Stimme aus dem Off, dass uns »9/11 gezeigt hat, wozu Menschen imstande sind… Es ist wichtig, über dieses Gute zu reden.«

Einfach, vielleicht, aber im Grunde ist nichts einfach, nicht einmal die Vereinfachung.

Die plötzliche Erschütterung über ein ungeheures Grauen ist wie der Moment, in dem man einen kostbaren Gegenstand in tausend Scherben auf dem Fußboden liegen sieht. Man könnte die Einzelteile auflesen, sich überlegen, wie alles zusammenpasst, und die Fragmente dann sorgfältig zusammenkleben. Am Ende hat man den Ausgangszustand wiederhergestellt, aber das Ergebnis ist nicht das Original. Es ist fehlerhaft und aufschlussreich zugleich. Es ist etwas Neues geworden. Es enthält das Nachbild dessen, was es einmal war, aber es wird nie mehr so verwendet wie früher. Die Klebstellen könnten undicht sein. Das Rätsel von Stones Film, der das Zeug zu einem weltweiten Blockbuster hat, besteht darin, dass er präzise ist und erschüttert, auch wenn er gelegentlich etwas pietätvoll daherkommt. Es geht um das tiefe Bedürfnis nach Katharsis, nicht um Sieg. Stone hält keine politische Rede. Er fühlt dem Verletzten den Puls. Der Film spricht das Gute in uns an – unsere Menschlichkeit und unser tiefes Bedürfnis nach Helden –, ignoriert aber die Folgen.

Im Grunde fordert er die Zuschauer nur auf, sich zu erinnern, und gerade das ist seine Stärke.