»Probier’s mal mit Gemütlichkeit«, hat Balu ja schon immer empfohlen. Doch manche werden erst im Alter fromm. Eva Herman – 47, verheiratet, Mutter eines Sohnes, Fernsehprofi – will sich ab demnächst ganz aufs Mutti-Sein und Schreiben von Büchern zu Mutti-Themen konzentrieren. Wenn man sie und Balu betrachtet, hat man den Eindruck, das Konzept Säugetier könne nicht unterschiedlicher konkretisiert werden. Der Dschungelbuch -Bär und die Medienblondine – wer hätte gedacht, dass sie so viel gemeinsam haben?

Und doch ist es so. Wie Herman in der Zeitschrift Cicero erklärte, sind die Frauen »im beruflichen Kampf gegen die Männer am Ende ihrer Kräfte und Ressourcen angelangt«. Sie seien ausgelaugt und hätten suizidale Fantasien. Weil die Frauen heute nämlich alles auf einmal wollen: Bildung und Beruf, Familie und Selbstverwirklichung. Das kann nicht gut gehen. »Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben«, gesteht Herman zu. »Doch all das sollte in Maßen geschehen.« Auf seine Weise erkannte das bereits Balu: »Du musst bescheiden / aber nicht gierig im Leben sein / sonst tust du dir weh«, sang er, und auch er wusste, dass das Glück nicht auf dem Rücken irgendwelcher Pferde oder gar am Schreibtisch zu finden ist, sondern am ehesten wohl doch zu Hause. »Was soll ich woanders / wo es mir nicht gefällt? Ich gehe nicht fort hier / auch nicht für Geld!« Wohingegen Herman, in nur geringfügig anderen Worten: »Es darf ihr (der Frauen) Glück nicht allein darin bestehen, Geld zu verdienen und sich in der männlichen Berufswelt zu behaupten.«

Warum aber muss denn die Berufswelt eine männliche sein, warum die Arbeit außer Haus ein »Kampf gegen die Männer«? Vermutlich weil es nach der »schöpfungsgewollten Aufteilung« (E. H.) der Mann ist, der den »aktiven, kraftvollen, starken und beschützenden Part« spielt, während die Frau auf »den Wert häuslichen Friedens in Harmonie und Wärme« spezialisiert ist. Weil jahrtausendelang er auf die Jagd ging, während nun, wo die Erntezeit anbricht, der Sammeltrieb der Frau erwacht. Womit auch Balu, obgleich als männlicher Bär ebenfalls eine Art Mann, schon Erfahrungen gemacht hat: »Und pflückst du gern Beeren / und du pikst dich dabei /au! / dann lass dich belehren / Schmerz geht bald vorbei.«

Erstaunlich ist höchstens, dass Herman ausgerechnet in einem Alter, in dem bei anderen Frauen die biologische Uhr längst nicht mehr tickt, den fordernden Ruf von Mutter Natur vernimmt. Bloß ein Kind. Noch zwei Talksendungen zu moderieren. Geld und Erfolg sind bereits da, der vierte Ehemann auch – sieht das etwa nach Mäßigung aus? Wenigstens der Bär Balu gibt unumwunden zu: »Und wenn du stets gemütlich bist / und etwas appetitlich ist / dann nimm es dir / egal woher es kam.«