Herr Martens, Sie waren eine halbe Ewigkeit lang der Liebesbote für einsame Herzen, weil Sie der so genannten Bräutigamseiche Kontaktbriefe zugestellt haben. Wie viele waren es denn? BILD

In der Regel so vier bis fünf pro Tag. Ich bin jeden Mittag mit dem Postauto auf meiner Zustelltour zur Eiche gefahren, bin dann die Leiter drei Meter hoch geklettert und habe die Briefe ins Astloch gesteckt. Am nächsten Tag waren sie weg.

An der Eiche gilt kein Briefgeheimnis?

Hier kann jeder hinauf, die Briefe öffnen und lesen. Den Brief, der interessiert, den nimmt man mit, die anderen steckt man wieder rein. So soll das sein.

Woher kommt die Baumpost?

Aus der ganzen Welt. Aus China, Japan, Amerika, den nordischen Staaten, aus Deutschland, einfach von überall. Zum Teil ist das im Ausland über die Goethe-Institute publik gemacht worden. Die wollten mal was Nettes über Deutschland schreiben.

Die Absender schicken ihre Briefe auf dem Postweg, die Empfänger kommen auf dem Landweg. Wie finden Brautschauer den Weg zur Eiche?