Da mögen Ober-, Unter- und Möchtegernchefs vor tonnenschweren Limousinen posieren, doch selbst mit 25 Liter Spritverbrauch auf 100 Kilometer können sie gegen ein Twike nicht anstinken. Das »schnittig-elegante Leichtelektromobil Cabriolet sorgt für verdrehte Hälse«, wirbt der Prospekt des oberbayerischen Herstellers Fine Mobile. Und er lügt nicht. BILD

»May we sit inside and you take our picture?« Als ich nach einer Runde um den Marktplatz von Biedenkopf zum Twike zurückkehre, warten zwei südkoreanische Touristen mit ihrer Digitalkamera auf mich. In Amöneburg sind es vier Gymnasiasten. »Is ja cool, fast wie Tretbootfahren«, meint einer von ihnen, als er, die Füße auf den Pedalen, die Hand am Joystick, ins Blitzlicht grinst. In Marburg applaudiert die komplette Küchenmannschaft des Italieners, als ich mein Gefährt lässig zwischen zwei Pollern hindurch in die Fußgängerzone manövriere. Das Twike ist ein echter Hingucker.

Und genau das Richtige für alle, die sich gerne von wildfremden Männern in technische Gespräche verwickeln lassen. Ist das ein Fahrrad oder ein Auto? Der darf wirklich auf die Autobahn? PS? Reichweite? Und den Berg kommen Sie locker rauf? Griffbereit steckt ein Stapel Prospekte im Ablagefach, um die Fragerei bei Bedarf freundlich abzukürzen. Nur eine letzte Auskunft ist vorher noch fällig. »Wie viel kostet das denn?« Die Antwort steigert das Sozialprestige des Twike-Piloten ins Grenzenlose. Wer so viel Kohle in eine unbequeme Klapperkiste mit schweißtreibendem Hilfsantrieb steckt, muss schon ein toller Kerl sein.

Etwas Grips schadet auch nicht. Denn ein Ausflug mit dem Twike will gut geplant sein. Spätestens nach 120 Kilometern ist der Saft alle. Ein kurzer Stopp an der Tankstelle hilft nicht weiter. Das Nachladen braucht Zeit, etwa eine Minute pro Kilometer. Bis der Akku restlos voll ist, vergehen zwei bis drei Stunden. So weit die groben Regeln. Doch der Akku ist die Achillesferse jedes Elektromobils. Wer ihm möglichst lange die volle Leistung entlocken will, muss die Betriebsanleitung studieren. Sie bietet 14 Seiten Kleingedrucktes zum Thema Ladung.

Wer einen Berg vor sich hat, sollte schon vor dem Anstieg nachtanken. Macht der Akku unterwegs schlapp, bleibt nur die Kehrtwende zurück ins Tal. Keinesfalls sollte das Laden mit einer Pause im Panoramarestaurant auf der Passhöhe verbunden werden. Bis zu einem Drittel der für die Bergfahrt verbrauchten Energie kann bei der Abfahrt mit der Motorbremse zurückgewonnen werden. Allerdings nur dann, wenn der Akku noch genügend Platz hat. Ist er schon voll, schaltet die Motorbremse automatisch ab. In solch einem Fall hilft nur noch Licht anschalten und bergauf fahren, bis er sich wieder etwas geleert hat.

Und so kreisen meine Gedanken beim Twike-Ausflug immer wieder um dieselbe Frage: Wo kann, wo muss und wo will ich nachladen? Am besten dort, wo die Zwangspause nett zu werden verspricht. Vielleicht in der Neuen Krone? Erst findet die Bedienung keine freie Steckdose, dann stöpselt sie den Zigarettenautomaten aus. »Es geht auch ohne Qualm«, lacht sie. Quer über die Terrasse ringelt sich das orangefarbene Kabel. Das Twike bekommt anderthalb Kilowattstunden Strom, der Fahrer zwei Apfelschorlen. Nicht jeder stellt seine Steckdose unbefangen zur Verfügung. »Ich weiß ja gar nicht, was das kostet«, sagt der Wirt am Turmberg und lässt sich mit meinem Standardspruch – »So ein Twike zieht nicht mehr als ein Föhn« – nur zögernd beruhigen.

Dabei stimmt es. Der Strom für einen Euro reicht 100 Kilometer weit. Mittreten bringt wenig. Um höchstens zehn Prozent lässt sich die Reichweite damit verlängern. Die Fahrradpedale sind eher als mobiler Heimtrainer gedacht – und als Heizungsersatz im Winter. Wer ordentlich strampelt, so das Kalkül, dem wird ganz von alleine warm. Eine Heizung würde den Akku nur zusätzlich belasten.