Für sein Engagement in Afrika wurde Rudolf Friedrich Guthoff zum "Hochschullehrer des Jahres" gewählt

Was müssen sich deutsche Professoren nicht alles anhören: Weltfremde Forscher seien sie und miese Lehrer, unzugänglich für ihre Studenten und noch dazu mit langen Semesterferien verwöhnt. Klischees, sicher, doch hartnäckig sitzende. Was Wunder also, dass der Deutsche Hochschulverband dem gerne abhelfen will. Die Standesvertretung der Professoren hat nun zum ersten Mal einen "Hochschullehrer des Jahres" gekürt. Das Ziel: darauf hinzuweisen, dass "deutsche Professoren nicht im Elfenbeinturm vor sich hin gammeln", wie Verbandspräsident Bernhard Kempen sagt.

Der Hochschulverband hat einen Professor gekürt, dessen Wahl wohl kaum umstritten sein wird: Rudolf Friedrich Guthoff, den 58 Jahre alten Direktor der Augenklinik der Universität Rostock. Guthoff wurde gekürt, weil er seine Klinik mit der Uni-Klinik und dem St.-Josephs-Hospital in Kinshasa verpartnert hat. Seit sechs Jahren fährt Guthoff immer wieder in die Hauptstadt des Kongos, bringt teure Geräte und Kunstlinsen mit, operiert auch selbst, beseitigt vor allem den kindlichen grauen Star. 150 Kindern hat Guthoff bislang das Augenlicht gerettet, und nicht nur das: Er gibt ihnen ein Leben in Gemeinschaft wieder. Kinder mit grauem Star würden dort in der Öffentlichkeit oft verheimlicht, berichtet Guthoff. "Es ist gar nicht so einfach, diese Kinder überhaupt dort zu finden, Krankheit gilt oft als etwas Böses."

Guthoff stammt aus Ingelheim am Rhein, studierte in Frankfurt und arbeitete dann an der Uni-Augenklinik in Hamburg. Seit 1992 leitet er die Augenklinik der Uni Rostock, war vier Jahre Dekan der Medizinischen Fakultät und kämpfte unter anderem für die Wiedereinrichtung des Studiengangs Zahnmedizin. Er interessiert sich seit seiner Jugend für Afrika, hatte auch als Hochschullehrer "Zeit, meine Gedanken schweifen zu lassen". Zwar sei Wissenschaft oft auf die Probleme des jeweiligen Kulturkreises konzentriert, man könne sie "aber auch globaler fassen". Zu solchem Einsatz will Guthoff auch andere Wissenschaftler ermutigen.

Der Professor lädt regelmäßig afrikanische Ärzte nach Deutschland ein. Sie lernen hier zu operieren und wie sie mit vormals blinden Kindern das Sehen trainieren können. "Ich will meine Zeit nützlich einsetzen", sagt Guthoff, "man kann dort mit sehr geringem Aufwand Blindheit beseitigen", wohingegen man in Deutschland oft viel Mühe darauf verwende, die Sehschärfe geringfügig zu verbessern.

"Dieses Engagement ist beeindruckend", lobt auch Hochschulverbandspräsident Kempen, und das ist wohl kaum umstritten. Hochschulpolitischen Sprengstoff berge dieser "bequeme Preisträger", wie Kempen selbst sagt, allerdings nicht. Bei der nächsten Preisvergabe könne das jedoch anders werden. "Man muss schon damit rechnen", sagt Kempen, "dass wir jemanden auszeichnen, mit dem eine gewisse Provokation verbunden ist."