»Glauben Sie mir, Paddy, die Welt wäre gesünder«, hat Bernard Shaw bemerkt, »wenn alle Apotheken in England niedergerissen würden.« Seitdem ist die Welt nicht gesünder geworden, aber die Zahl der Apotheken hat sich gewaltig vermehrt.

Dies als Präambel zu einem Vorschlag, der die elende Gesundheitsreformdebatte mit einem Schlag beenden wird. Frau Schmidt, Frau Merkel, aufgepasst! Der Hinweis des alten Shaw ist richtig, aber das Übel liegt tiefer. Denn so wie die Zahl der Gesetzesverletzungen mit der Zahl der Gesetze unweigerlich zunimmt und die Kriminalitätsrate mit der Menge der Polizisten steigt, so steigt auch die Zahl der Kranken mit der Zahl der Ärzte.

Es kommt hinzu, dass Gesundheit ein relativer Begriff ist, so wie Sauberkeit auch. Je feiner die Messmethoden, desto verheerender das Ausmaß des Schmutzes. Man fühlt sich hier an die Scherzfrage erinnert, wie sich das Wort »imposant« steigern lasse (im Hintern Steine, im Arsch Felsen), nun freilich in umgekehrter Richtung. Wir sind, gesundheitspolitisch gesehen, vom Felsen auf den Feinstaub gekommen. Je länger, je gründlicher man einen gesunden Menschen durchleuchtet, umso mehr wird man in ihm einen behandlungsbedürftigen Kranken erkennen. Es ist aber ein verbreiteter Fehlschluss, in Diagnose und Therapie einen lebensverlängernden Fortschritt zu sehen. Mit unsichtbaren, unerkannten Devianzen kann man ein langes, unbeschwertes Leben führen, erst die erkannte und sichtbar gemachte Krankheit wird zum Problem.

Fassen wir zusammen: Je mehr Ärzte, desto mehr Kranke, desto höhere Gesundheitsausgaben. Die Lösung liegt auf der Hand: Verminderung der Ärztezahl. Nun leben wir in einem kultivierten Land, wo die Exekution medizinisch ausgebildeter Mitmenschen vermutlich an die Grenzen des guten Geschmacks stieße. Es gibt aber eine viel einfachere Methode. Bekanntlich unterziehen sich Ärzte selber äußerst selten einer ärztlichen Behandlung und haben trotzdem eine hohe Lebenserwartung. Nein, nicht trotzdem, sondern deshalb! Also sollten Ärzte gezwungen werden, sich regelmäßig von Ärzten behandeln zu lassen. Damit schlüge man zwei Klappen mit einer Fliege: Die Ärzte würden ihre Mortalitätsrate dadurch zweifellos erhöhen. Und sie hätten, mit sich selber beschäftigt, keine Zeit, andere krankzuschreiben.

Ach!, die Gesundheitsreform könnte so einfach sein. Aber wahrscheinlich hört wieder kein Schwein zu.