Ihre Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Todesstrafe gibt es noch in vielen Ländern, und die Bedingungen, unter denen sie ausgeführt wird, sind sehr unterschiedlich. Erstaunlich ist allerdings, in wie vielen Staaten tatsächlich noch der alte Brauch der "Henkersmahlzeit" praktiziert wird.

In fast allen Bundesstaaten der USA zum Beispiel kann sich der Delinquent seine letzte Mahlzeit aussuchen, und die Gefängnisverwaltung versucht, diesem Wunsch so weit wie möglich zu entsprechen. Teilweise gibt es die Einschränkung, dass das Gericht aus den in der Gefängnisküche vorhandenen Zutaten zubereitet werden muss – da wird aus dem gewünschten Hummer schon einmal ein Fischfilet. Die texanische Vollzugsbehörde hat sogar bis vor kurzem die last meals der Exekutierten im Internet veröffentlicht. Die Seite gibt es nicht mehr – vielleicht weil der Voyeurismus zu groß wurde, mit dem diese Details auf Websites wie deadmaneating.com genüsslich ausgebreitet wurden.

Was ist der Grund für dieses auf den ersten Blick paradox erscheinende Zuvorkommen des Staates gegenüber dem Mörder, den er kurz darauf ums Leben bringt? Der verstorbene deutsche Kriminologe Hans von Hentig sah darin einen Versuch, "Urfehde" zu schließen mit dem Verurteilten, eine Art letztes Übereinkommen, in dem der Delinquent das Urteil anerkennt.

Auf die letzte Zigarette müssen die Häftlinge in US-Gefängnissen allerdings verzichten. Das strikte Rauchverbot wird dort auch in ihrer letzten Stunde nicht aufgehoben.
Christoph Drösser

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