DIE ZEIT: Hat Nasrallah den Krieg gewonnen?

Zipi Liwni: Neuerdings redet der Hisbollah-Chef ganz anders: Hätte er die israelische Reaktion auf den unprovozierten Angriff vorausgeahnt, hätte er es gelassen. Hisbollah ist deutlich geschwächt. Im Libanon geschieht, was vor ein paar Monaten unglaublich gewesen wäre. Die Armee geht in den Süden, dazu kommt eine internationale Truppe.

ZEIT: Die libanesische ist keine richtige Armee. Israels Außenministerin mit ihrem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier am 28. August in Berlin BILD

Liwni: Es geht nicht um deren Qualität, sondern um einen Staat, der seine Souveränität im ganzen Land durchsetzt. Immerhin gibt es jetzt ein Waffenembargo gegen Hisbollah. Dass die das akzeptiert, widerspiegelt ihre Schwächung, obwohl sie ihre alte Stärke rasch wiederherstellen könnte.

ZEIT: Der Zweck des Krieges war die Entwaffnung und Vertreibung der Hisbollah.

Liwni: Nein, ein Ziel war es, eine Botschaft zu senden: Israel nimmt diese Attacken nicht mehr hin. Ein zweites war es, Hisbollah so weit zu schwächen, dass sie eine internationale Intervention akzeptiert. Die Resolution 1701 (die ein Waffenembargo und eine Friedenstruppe vorsieht, Anm. d. Red.) wurde in meinem Ministerium zwei Tage nach Beginn der Operation entworfen. Natürlich hätten wir auf ewig im Südlibanon bleiben können, aber das war nicht unser Ziel.

ZEIT: Was war denn das Ziel – bloß ein Signal?