Celia Budge hat den Satz vor dem Spiegel geübt, damit die Betonung stimmt und der Gesichtsausdruck. Good morning, children, sagt sie langsam. Good morning, Miss Budge!, ruft ein Chor von Kinderstimmen.

Celia Budge ist gebürtige Engländerin, sie lächelt erleichtert. Es ist ihr erster Tag als Direktorin und eine Premiere für Deutschland: Gründer der Berliner Privatschule, die die 57-Jährige von nun an leiten soll, ist die Phorms Management AG. Erstmals will ein Unternehmen mit einer Schule Geld verdienen. Bislang sind deutsche Privatschulen gemeinnützig organisiert. Eine Aktiengesellschaft als Schulbetreiber ist ein gewaltiger Tabubruch. Sich auf dem Rücken der Kinder zu bereichern, ist unanständig, sagt Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Béa Beste, Chefin der Phorms AG, sagt, ihr gehe es um Qualitätsmaximierung und Wirtschaftlichkeit, und dafür sei Geld der Treibstoff. Beste, 37, arbeitete als Unternehmensberaterin bei Boston Consulting - an der Schule ihrer 16-jährigen Tochter habe sie erkannt, dass Bildung anders organisiert werden müsse: kleinere Klassen, individuellere Forderung und Förderung. Für die neue Privatschule konnte sie als Investor Rolf Schmidt-Holtz gewinnen, den Chef von Sony BMG.

53 Kinder sind an der neuen Schule für die Klassen eins bis fünf angemeldet, nächstes Jahr soll die Sekundarstufe hinzukommen.

Untergebracht ist die Schule in einem ehemaligen AEG-Werk in Berlin-Mitte, am Montag vergangener Woche begann der Unterricht.

Auf dem Stundenplan steht Mathe. Elf Schüler sitzen in einem Kreis um die Lehrerin, eine weitere Erzieherin hilft bei der Organisation des Unterrichts. Gesprochen wird englisch. Wir halten uns an den Berliner Rahmenlehrplan, aber wollen möglichst viele Innovationen einführen, sagt Celia Budge. Statt Tafeln hängen Touchboards an der Wand, auf denen die Schüler schreiben oder im Internet surfen können. Sitzen bleiben soll niemand, für schwächere Schüler gibt es an den Nachmittagen Einzelunterricht. Bis 18 Uhr kümmern sich Betreuer um die Schüler. Eltern zahlen je nach Einkommen zwischen 221 Euro und 864 Euro Schulgebühr im Monat. Wir werden auch Stipendien einführen, aber dafür müssen wir erst unsere eigene Existenz sichern, sagt Beste. Das Konzept der AG geht nur dann auf, wenn Phorms wächst. Mit einer einzigen Schule kann man keinen Profit machen. Wir brauchen ein Netz, um Kosten zu sparen. In zehn Jahren soll es bundesweit 40 Phorms-Schulen geben. Dem Businessplan nach.