Bläuling, Admiral und Trauermantel. Totenkopfschwärmer, Kohlweißling, Traumgewürm aus Kellerdunkel. Die Gedichte der Dänin Inger Christensen verlocken uns mit Erinnerungsbildern, mit Empfindungen vom Schattigem oder Verfiltzem, mit Farben, Licht, Gefühl und setzen uns so ab in einer Welt, die dann verblüffend und auf radikale Weise nur aus Sprache besteht, wenngleich streng geformt in Rhythmik, Reim, Struktur nach den Regeln des Sonnetts. Am 28. September erhält die Dichterin, die Übersetzerin von Paul Celan, auch Autorin des wunderbaren Romans Das gemalte Zimmer, der sich ganz in ein Deckengemälde von Montegna zurückzieht, in Frankfurt den Siegfried-Unseld-Preis.

Inger Christensen: Das Schmetterlingstal/Sommerfugledalen. Ein Requiem

Aus dem Dänischen von Hanns Grössel, Nachwort von Thomas Sparr - Bibliothek Surhkamp Band 1295 - Frankfrut a.M. 2006 - 51 S., 9,80

Tausendgüldenkraut. Grauer Stein. Kirschlorbeertraube. Der Dichter Paul Celan, den Inger Christensen ins Dänische übersetzte, hatte hier in seinem zu kurzen Leben eine Berührung mit der Welt, fand in den Wiesen Fingerhut und hinter den Mauern, beim Schloss, einmal seine Ruhe im bretonischen Kermorvan. Helmut Böttiger folgt Celan auf den Spuren der Gedichte, die in zwei Aufenthalten am Rande des Meeres entstanden, entdeckt unberührtes Gelände zwischen den Zeilen, erzählt noch einmal die Geschichte vom traurigen Dichter, dem nicht zu helfen war, und seiner Frau, die ihn zu diesen kurzen Atempausen verführte.

Helmut Böttiger: Wie man Gedichte und Landschaften liest. Celan am Meer

Mare Bibliothek Band 27, Hamburg 2006 - 156 S., 18,