Es sind doch gar nicht so viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Als im vergangenen Dezember die Nachricht aus Nürnberg kam, dass noch rund 17500 Jugendliche ohne einen Ausbildungsplatz seien, wurde das von Politik und Wirtschaft als Erfolg dargestellt. 17500 – diese Zahl war niedriger als befürchtet. Hatten doch im betreffenden Bewerbungsjahr über 740000 junge Erwachsene einen Ausbildungsplatz gesucht. Außerdem hatte die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden noch Ende September 2005 bei 40900 gelegen, als die meisten Ausbildungen bereits begonnen hatten. Einen Monat vorher waren sogar noch knapp 200000 Bewerber auf der Suche gewesen. Dagegen schien die Dezemberzahl recht moderat.

Doch nicht alle Jugendlichen, die vom Spätsommer bis Mitte Dezember aus der Kategorie "noch nicht Vermittelte" herausgefallen waren, konnten von den so genannten "Nachvermittlungsaktionen" profitieren. Vielmehr haben viele von ihnen eine Stelle angenommen, für die man keine Ausbildung benötigt, ein Berufsvorbereitungsjahr eingelegt oder eine außerbetriebliche Ausbildung begonnen. Jugendliche, die so erst mal nicht mehr als Ausbildungsplatzsuchende zählen, hoffen aber meist doch noch auf eine betriebliche Ausbildung. Allein im Jahr 2005 gaben knapp 50000 Bewerber an, dass ihr Wunsch nach Vermittlung eines Ausbildungsplatzes weiterhin bestehe – obwohl sie sich erst einmal für eine Alternative entschieden hatten.

Die Unternehmen bilden immer weniger aus

Es werden immer weniger neue Ausbildungsverträge geschlossen. Nach den Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gab es im Jahr 2000 noch 621693 neue Ausbildungsverträge, im Jahr 2003 nur noch 557634 und im vergangenen Jahr lag die Zahl bei 550180. Die Prognosen für dieses Jahr lassen keine Besserung erwarten. Allerdings schließen diese Zahlen auch öffentlich geförderte Maßnahmen ein.

Lässt man diese beiseite und zählt nur die mit Betrieben geschlossenen Ausbildungsverträge, ist das Bild nicht mehr so eindeutig: Dort ist die Zahl der Ausbildungsbeginner zwar von 564379 im Jahr 2000 auf 505191 im vergangenen Jahr gesunken, doch im Jahr 2003 hatten die Betriebe sogar nur 497265 neue Lehrlinge eingestellt. Es gibt also ein Auf und Ab.

Die Ausbildungsquote – also der prozentuale Anteil der Auszubildenden an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – ist konstant. Nach Berechnungen des BIBB lag sie 1999 bei 6,3 Prozent, in den Jahren 2003 und 2004 bei 6,4 Prozent. Der Grund: Bei schlechter Konjunktur stellen die Unternehmen nicht nur weniger Menschen ein, sie bilden auch weniger aus.