Zunächst schien es nur eine kühne Idee zu sein. Doch inzwischen nimmt die anfangs sogar belächelte Initiative Gestalt an: der 100-Dollar-Laptop. Er soll Schwellen- und Entwicklungsländern den Anschluss ans digitale Zeitalter ermöglichen. Treibende Kraft hinter diesem Projekt ist Nicholas Negroponte, Gründer des renommierten Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Für die Entwicklung des tragbaren und kostengünstigen Computers gründete Negroponte Anfang 2005 die gemeinnützige Organisation One Laptop per Child (OLPC). Sein Kalkül ist, dass die Produktion des Geräts nach einer Anschubfinanzierung mit Spenden wegen der abgespeckten Technik und der hohen Stückzahlen sogar wirtschaftlich sein müsste.

Antrieb für das Projekt ist die wachsende digitale Kluft zwischen den Industrienationen auf der einen und den Entwicklungs- und Schwellenländern auf der anderen Seite. Wenn wir heute nichts tun, damit alle Menschen weltweit am Internet teilhaben können, werden die armen Länder noch ärmer und verlieren jeglichen Anschluss, mahnte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy auf dem jüngsten Weltinformationsgipfel in Tunis im vergangenen November. In der Tat ist es ein Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung, wenn Menschen keinen Zugang zum weltweiten Datennetz haben. Wo keine Unterstützung der Bildung durch Online-Informationen erfolgt, keine schnelle Kommunikation per E-Mail möglich ist und der vergleichsweise kostengünstige Zutritt zu Märkten mit Hilfe des Online-Handels verwehrt bleibt, entwickeln sich Bildung und Wirtschaft langsamer als im Rest der Welt. Helfen könnten da Computer, die eben auch für ärmere Bevölkerungsschichten erschwinglich sind und weit unterhalb des hierzulande gewohnten Preisniveaus liegen.

Wenn wir heute nichts tun, werden die armen Länder noch ärmer

Prominente Unternehmen wie Google, der Chipkonzern AMD oder der Medienunternehmer Rupert Murdoch stellten für die Entwicklungsphase insgesamt zehn Millionen US-Dollar bereit. Herausgekommen ist dabei ein zunächst kurios anmutendes Gerät mit recht bescheidenen technischen Daten. Der Prozessor soll nur eine Taktfrequenz von 400 Megahertz statt der heute in Notebooks üblichen zwei Gigahertz haben, der Hauptspeicher hat magere 128 Megabyte RAM, und statt einer Festplatte mit vielen Gigabytes gibt es nur eine eingebaute Speicherkarte mit 500 Megabyte. Für die Stromversorgung soll ein aufziehbarer Generator sorgen, und das Display ist weniger hochauflösend als moderne Notebook-Bildschirme. Bauen soll die Geräte von 2007 an der taiwanische Notebook-Spezialist Quanta, der unter anderem auch Apple-Notebooks zusammenbaut.

Einer der Hauptkritiker des spartanischen Computers war bislang der Software-Konzern Microsoft nicht zuletzt deshalb, weil Negroponte nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Unternehmen auf das freie Betriebssystem Linux setzt, das derzeit vom Linux-Spezialisten Red Hat an die Bedürfnisse des 100-Dollar-Laptops angepasst wird. Noch im März spottete Microsoft-Chef Bill Gates über das MIT-Projekt: Nehmt doch lieber einen richtigen Computer. Auch Intel-Chef Craig Barrett, dessen Unternehmen als Prozessorlieferant gegen AMD den Kürzeren zog, prophezeite ein Scheitern des Projektes.

Doch mittlerweile hat OLPC vier Millionen Vorbestellungen aus Argentinien, Brasilien, Nigeria und Thailand gemeldet und damit die Konkurrenz aufgeschreckt. Microsoft kündigte inzwischen gleich zwei Projekte für die Markterschließung in Schwellenländern an. Unter dem Arbeitstitel FonePlus präsentierte Forschungsleiter Craig Mundie Pläne für ein aufgerüstetes Mobiltelefon, das Anschlüsse für Tastatur, Maus und Bildschirm haben und mit Programmen für Surfen, E-Mail und Textverarbeitung ausgestattet sein soll. Das zweite Microsoft-Projekt FlexGo sieht den Erwerb eines herkömmlichen PCs in einer Mischung aus Kauf und Leasing vor. Der Käufer zahlt dabei rund 300 Dollar an.

Dann vereinbart er eine zeitlich begrenzte Nutzung, für die ein weiterer Betrag fällig wird. Ist der Zeitraum abgelaufen, bleibt der Computer so lange blockiert, bis eine neue Vereinbarung geschlossen wird. Abgerechnet wird über eine Guthabenkarte, wie man sie aus dem Mobilfunk kennt (Prepaid-Karte).