Der Autor zitiert Olaf Köller, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, der nach eigenem Bekunden nie Schulklassen unterrichtet hat: Mit einer Ausnahme gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, dass die Klassengröße die Leistung der Schüler beeinflusst. Für veraltete Forschungen mit reinem Frontalunterricht, die immer wieder zitiert werden, mag das begrenzt zutreffen. Neuere Untersuchungen wie die qualitative Studie von Fritz Haselbeck 1999 mit zahlreichen Literaturangaben belegen das Gegenteil.

Bei wachsender gesundheitlicher und verhaltensmäßiger Labilität vieler Schulkinder und Jugendlicher und der größeren sozialen Heterogenität in den Klassen ist eine individuelle Betreuung und Förderung einzelner Schüler unerlässlich. Das ist aber nur möglich bei einer Klassenfrequenz, die kleiner ist als die vielfach von den Kultusministerien vorgegebene.

Die Ergebnisse der Studie von Haselbeck: In kleineren Klassen (16 bis 20 Schüler) gibt es eine größere Zufriedenheit, stärkere Identifikation der Schüler mit dem Handeln ihrer Lehrer, intensivere Zuwendung, psychische Entspannung und höhere Motivation. Die Rahmenbedingungen wirken sich in der Weise aus, dass schülergemäße Arbeitsmethoden eher möglich werden, die Arbeitsqualität und -intensität höher ist.

In den größeren Klassen (30 oder mehr Schüler) gibt es erheblich größere psychische Belastungen, die sich auf das Lernverhalten von Schülern und das Rollenverständnis von Lehrern deutlich nachteilig auswirken. Auch ausgeprägte Störmilieus sind hier nur schwer kontrollierbar und wirken sich äußerst belastend aus.

Weitere interessante Einzelheiten sind der Fachzeitschrift Pädagogik 5/06 (S. 3640) zu entnehmen.

Friedrich Ewert, Studiendirektor i. R., Pfungstadt