Auch bis Krefeld hat es sich herumgesprochen: Kunst hat einen hohen Wert. Nur warum der hohe Wert so flache Renditen abwirft, will man dort nicht verstehen. Da ist ein Bild viele Millionen Euro wert und hängt doch nur an der Wand herum, bringt nichts in die Kasse bis auf ein paar Eintrittsgelder. Dabei hat es das Museum in Krefeld so nötig: Das Dach ist leck und die Klimaanlage ein Witz, dringend braucht das Haus Sanierung. Wer aber solls bezahlen? Die Stadt? Ist nicht einzusehen, sagen die Krefelder. Soll doch die Kunst schauen, wie sie der Kunst hilft.

Also erwägt der Stadtrat, das beste und teuerste Bild des Kaiser-Wilhelm-Museums zu verkaufen, das Parlamentsgebäude in London von Claude Monet. 20 Millionen Euro würde das wohl bringen, der Markt fiebert und treibt die Kunst auf steile Rekordhöhen. Davon haben auch andere Museen schon profitiert, in Bremen etwa durfte Renoir einen Anbau finanzieren, in Bonn musste Baselitz die Schulden einer missglückten Großausstellung tilgen.

Das waren Einzelfälle, doch langsam wird daraus eine Serie der Selbstverstümmelungen das Museum frisst seine Kunst. Und leicht könnte daraus ein Großgelage werden. Denn überall sind neue Häuser entstanden, selbst Herford oder Ulm gönnten sich gewaltige Museumshüllen, dafür reichte das Geld. Nun aber wollen die Hüllen gefüllt, beheizt, gepflegt werden und dafür mögen viele Kommunen nicht mehr zahlen. Die Museen sollen selber ran, der Direktor wird zum Manager, zum Sponsorenjäger, Event-Begleiter, Galamoderator. Selbst ehrwürdige Häuser werden eingeschworen, nicht aufs Bewahren, sondern aufs Hergeben. Erst kürzlich forderte der Rechnungshof Baden-Württemberg, künftig müsse die Staatsgalerie Stuttgart Teile ihrer Sammlung abbauen. Totes Kapital gehört liquidiert, so will es die Logik des Marktes.

Nun gibt es in vielen Museen tatsächlich tote Bilder, drittklassige Werke von viertklassigen Künstlern oder auch die gleiche Dürer-Grafik doppelt. Kaum etwas spricht dagegen, sich von einzelnen Bildern zu trennen allerdings nur, wenn die erzielte Summe nicht vom Museum verheizt oder sonst wie verjuxt wird. Geld aus Kunst muss wieder Kunst werden.

Das ist leicht gesagt und in der verzwickten Wirklichkeit kaum durchzuhalten. In dieser Wirklichkeit gibt es nämlich durchaus Geld, sogar für das Krefelder Museum, im Haushalt sind 6,4 Millionen für die Sanierung eingeplant. Weil man aber mehr will, eine neue Treppe, einen schöneren Shop, ein helleres Café, deshalb kostet das Ganze 11 Millionen und der Monet darf dran glauben.

Aber warum eigentlich nur der? Wieso verkauft man nicht den Rest gleich mit? Dann wäre alles Treppe, Shop, Café und ein leeres Haus ist ohnehin viel besser zu gebrauchen, für Events oder Sonderausstellungen. Oder als staatlich subventionierte Kunsthalle für private Sammler, die dringend ihre frisch erworbenen Monets und Renoirs herzeigen wollen.