Van Goghs Sonnenblumen verlassen ihre Vase mit der Geschwindigkeit, die Eis in der Sonne braucht zum Schmelzen. Die Brockenbahn kreuzt schnurgerade dunkle Berge, als sei die Steigung kein Problem. Ein portugiesischer Hahn fährt wie auf Valium in seinem Röhrchen auf und ab.

Das Betrachten dieser kleinen Szenen in Acryl hat etwas Beruhigendes in seiner bewegten Monotonie. Die Bühne ist uns vertraut aus Zeiten, in denen die Welt so überschaubar war, dass sie in einen Kugelschreiber zu passen schien. Die Besetzung bietet wenig Überraschungen: Mädchen mit Baströcken in Hawaii, Surfer in Malibu, Tulpen in Amsterdam. Wir sitzen versonnen, halten den Stift mal in die eine, mal in die andere Richtung, schicken Schiffe entlang der Küsten von Spanien, Italien oder Kalifornien und hängen unseren Erinnerungen nach. Mit einem abgekauten Bic-Kuli wäre das nie passiert.

Die meisten von uns haben mindestens einmal im Leben einen dieser Stifte in der Hand gehabt. Trotzdem weiß kaum jemand, wie die Dinger heißen. Wer sie benennen muss, holt weit aus. Du weißt schon, diese Kulis, wo sich hinten was bewegt, wenn man den Kuli schwenkt. The Original Floating Action Pen lautet die offizielle Bezeichnung. Aber wie gesagt: Wer weiß das schon. Fragen Sie mal in einem Souvenirshop nach dem Original Schreibgerät Schwimmende Tat und achten Sie auf das betretene Schweigen.

Es ist eine Miniaturwelt, über die ich totale Kontrolle habe, begründet ein junger Mann seine Leidenschaft in einem Internetforum für Sammler, Brüder und Schwestern der Schneekugelfreunde, die über den Mehrwert des praktischen Nutzens verfügen. Floaties findet man in Souvenirläden von Kapstadt bis Reykjavøk, stets versehen mit einem dezenten Firmenlogo und der Bügelprägung Made in Denmark. Dänemark ist groß.

Die Anreise führt vorbei an blassgelben Stoppelfeldern, sehr grünem Gras und Kühen, die man riechen kann. Die Internetseite www.traveljournals.net rubriziert den Weiler Store Merlse auf der Insel Seeland, 50 Kilometer westlich von Kopenhagen, als populated place. Aber das ist relativ. Am Ortsausgang liegt die Firma Eskesen, flache Gebäuderiegel, die sich unter einen gigantischen Himmel ducken.

2003, zwei Jahre nach den Terroranschlägen von New York und der darauf folgenden Krise der Reisebranche, stand das Unternehmen kurz vor dem Aus. Weniger Touristen, weniger Souvenirs, weniger Schwimmkulis damals bekam Svend Erik Kriby die Übernahme von Eskesen angeboten.

Kriby arbeitete früher in der Baubranche. Er hatte ein eigenes Geschäft, das so gut lief, dass er nach dem Verkauf glaubte, sich zur Ruhe setzen zu können. Da war er 35 Jahre alt. Vielleicht ein bisschen früh, sagt er heute und lächelt dazu ein Lächeln, das irgendwo zwischen George Clooney und dem österreichischen Finanzminister rangiert. Bei einem normalen Kugelschreiber hätte ich nein gesagt, aber dieses Produkt fand ich irgendwie Er überlegt einen Augenblick. Dann sagt er: Ich fand es lustig. Seit drei Jahren steht der 46-Jährige dem Unternehmen als Managing Director vor.