Die Cougar Ace, ein 200 Meter langes Autotransportschiff, kippte am 23. Juli vor der Küste Alaskas auf die Seite und funkte SOS. Der Kiel hing bereits in der Luft, der Propeller ebenfalls, manövrierunfähig trieb der Frachter im kalten Wasser. An Bord kauerten 23 Mann, zwei davon aus Singapur, acht Burmesen und dreizehn Filipinos. Ein Steward hatte sich das Bein gebrochen. Der Ausstieg auf die Rettungsinseln scheiterte, weil die Inseln unter das Schiff gerieten. Die US-Küstenwache schickte drei Helikopter und befreite die Havarierten aus ihrer extremen Schieflage. Herrenlos driftete die Cougar Ace mit 4813 fabrikneuen japanischen Autos durch die See. Die Fahrzeuge, hauptsächlich der Marke Mazda, waren für den US-amerikanischen Markt bestimmt und schienen reif für den Meeresgrund.

Doch gesunken, wie voreilige Nachrichtenagenturen bereits gemeldet hatten, ist der dicke Pott keineswegs. Schon vier Wochen nach dem Unglück schwamm er wieder aufrecht. Derzeit wird die Cougar Ace (Puma Ass) nach Portland im US-Bundesstaat Oregon geschleppt. Dort sollen die Autos entladen werden, was in den Vereinigten Staaten inzwischen für heftige Diskussionen sorgt. Welcher Neuwagenkäufer will schon einen Havarie-geprüften Mazda? Wie viele Autos wir noch verkaufen können, wissen wir erst, wenn wir uns jedes einzelne genau angesehen haben, erklärte ein Mazda-Sprecher zunächst vorsichtig.

Für helle Aufregung unter den Autofans hatte Joe LoSciuto gesorgt, stellvertretender Chef der US Coast Guard in West-Alaska. Nur um die Räder einiger Fahrzeuge schwappt etwas Salzwasser, sagte er nach einer Besichtigungstour der Reporterin der Anchorage Daily News. Es gibt nur minimale Schäden an den Fahrzeugen.

Wie ist diese merkwürdige Havarie und Rettung zu erklären? Die Cougar Ace ist so gut wie wasserdicht gebaut, und jedes einzelne Auto ist bombenfest auf einem der insgesamt 14 Zwischendecks festgezurrt. Daher kam die rollfähige Ladung trotz der enormen Schieflage nicht ins Rutschen. Aber nicht nur die wertvolle Fracht, auch das 1993 gebaute, unter der Flagge Singapurs für eine japanische Spedition fahrende Transportschiff blieb weitgehend unbeschädigt. Manövrierunfähig ist es nur deshalb, weil das Bunkeröl während der schrägen Zwangspause abgekühlt und in den Tanks verklumpt ist. Aber wieso ist der 50 Meter hohe Autotransporter überhaupt umgekippt?

Beim vorgeschriebenen Tausch von Ballastwasser geschah es

Mit Sturm oder Monsterwellen hatte die spektakuläre Havarie nichts zu tun. Sie fällt vielmehr in die Kategorie Risiken und Nebenwirkungen des Naturschutzes. Aus ökologischen Gründen müssen nämlich alle Überseeschiffe auf hoher See ihr Ballastwasser austauschen, bevor sie einen Hafen in den USA anlaufen dürfen. Das soll das Einschleppen fremder Meeresorganismen aus fernen Gewässern verhindern. Das Ballastwasser wird in Tanks am Boden oder in den Hohlraum zwischen der doppelwandigen Außenhaut eines Schiffes gepumpt, um es bei Leerfahrten oder bei ungleicher Verteilung der Ladung in senkrechter Position zu stabilisieren.

Ältere Schiffe wie die Cougar Ace verfügen nur über ein einfaches Pumpsystem, das zunächst einen von mehreren separaten Ballastwassertanks leer pumpt und anschließend wieder mit frischem Meerwasser auffüllt. Deshalb dürfen die Tanks nur in einer genau berechneten Reihenfolge gelenzt und wieder gefüllt werden. Passiert dabei ein Fehler, kann das Schiff in eine labile Lage geraten und im Extremfall sogar kentern.