In der Hauptstadt soll nun endlich das Mahnmal für die Homosexuellen errichtet werden, die unter Hitler verfolgt wurden. Das ist auch gut so. Aber woran erkennen wir, wem dieses Mahnmal gewidmet ist? Wir sollen es nach dem Willen der beiden Künstler, die den Entwurf gemacht haben, an einem Guckloch erkennen, durch das ein Video mit küssenden Männern zu sehen ist. Kitsch oder Tragik? Das ist die eine Frage, die sich aufdrängt.

Die andere Frage hat Alice Schwarzer aufgeworfen: Wo bleiben die homosexuellen Frauen? Müsste man nicht im Wechsel auch ein Video mit küssenden Lesben zeigen? Die Künstler sähen darin allerdings die Intimität der Installation gestört – was auch immer in diesem Zusammenhang Intimität bedeuten mag. Aber in der Tat ist ein Mahnmal natürlich keine Bar, in der Schwule und Lesben im Wechsel den Darkroom benutzen. Darum ist der Kompromissvorschlag gemacht worden, für die Lesben ein extra Guckloch einzurichten, und das klänge auch ganz vernünftig nach aufgeklärtem Geschlechterproporz, wenn es nicht so verzweifelt an eine Karikatur von Graeser und Lenz erinnern würde, auf der zwei Münzteleskope vor einem Alpenpanorama zu sehen sind. Unter dem einen Teleskop steht: Blick auf die Alpen, ein Euro. Unter dem anderen Teleskop steht: Weiblicher Blick auf die Alpen, zwei Euro. Und deshalb müssen wir jetzt an dieser geheiligten, dem Spott vorbehaltenen Stelle der ZEIT einmal allen Humor fahren lassen und kräftig schimpfen: Ein Mahnmal, das die Satire schon im Entwurf provoziert, taugt nicht zum Mahnmal!

Stellen wir uns nur zum Vergleich eine Gedenkstele für die verfolgten Sozialdemokraten vor, wieder mit einem Guckloch, wo zwei Sozialdemokraten – nun, was auch immer tun, und dann kommen die Kommunisten und sagen, wir sind auch verfolgt worden und wollen deshalb gleich daneben ein Guckloch, wo Teddy Thälmann und Stalin… Lieber Leser! Ich hoffe, Sie verstehen, dass wir nicht die Würde der Opfer schmähen wollen. Wir bestreiten aber energisch die Würde von Kunstwerken, die sich der Gedenkaufgabe mit einer Einfalt stellen, die der Vater (oder meinetwegen die Mutter) aller Lächerlichkeit ist.