Neben dem Essen und der Liebe umfasst der erweiterte Kulturbegriff der Franzosen künftig eine neue Disziplin: die Wirtschaftskultur. Aufgeschreckt von Umfragen, nach denen die Mehrheit der Franzosen nichts von der Marktwirtschaft hält und weder die aktuelle Arbeitslosenquote noch die Höhe der Staatschulden kennt, hat Wirtschaftsminister Thierry Breton jetzt einen Rat für Wirtschaftskultur eingerichtet.

Fünfzehn bekannte Unternehmer, Journalisten, Wissenschaftler und Politiker darunter Claude Bébéar (AXA), Supermarktkönig Michel-Edouard Leclerc und Sciences-Po-Direktor Richard Descoings wollen Vorschläge machen, wie das öffentliche Interesse an Wirtschaftsfragen geweckt werden kann. Die Volksbildungsoffensive hat einen handfesten Grund. Thierry Breton sieht Frankreich von Rang fünf auf Platz sieben unter den größten Ökonomien der Welt abrutschen, wenn die Franzosen aus den Vorzügen ihres Landes nicht verstärkt Kapital schlügen. Dazu zählt der Wirtschaftsminister neben der hohen Geburtenrate und Arbeitsproduktivität auch die Qualität der Infrastruktur sowie die Attraktivität der Landschaften alles Elemente französischer Lebensart, für die der umfassendste Kulturbegriff gerade weit genug ist.