Pergers Beschreibung des Politikers und Menschen Peer Steinbrück ist eine wunderbare Analyse des Zustandes unserer bundesrepublikanischen Demokratie. Gewöhnt an Konsens, vor allem auf hohem Sozialstandsniveau, wird ein Politiker sogleich als Grenzgänger empfunden, wenn er, Aufgabe und Pflichtbewusstsein folgend, Zukunft zu beschreiben versucht. Dabei ist er mehr als ein Grenzgänger, er ist ein Grenzüberschreiter. Nur so kann man Zukunft gestalten. Unsere politischen Debatten orientieren sich zu Recht an Mehrheitsfähigkeit, aber der Konsens steht am Ende, nicht am Beginn einer Auseinandersetzung. Der fehlende Mut oder die Unfähigkeit, über den Wahlkreis hinauszudenken, gefährdet die Demokratie. Wer nur für individuelle, häufig egoistische Bedürfnisse kämpft ohne Rücksicht auf die Gemeinschaft, ist fehl am Platz. Dies gilt besonders in Zeiten großer Veränderungen.

Natürlich ist die empfundene Schrittgröße abhängig von Thematik und Parteizugehörigkeit. Umso bewundernswerter ist beispielsweise der Ansatz der CDU in der Familienpolitik, ebenso wie der von Steinbrück in Fragen einer verantwortungsvollen Altersvorsorge.

Ich habe keine Sorge, dass der Sozialdemokrat die Werte seiner Partei aus den Augen verliert, im Gegenteil: Ich bin mir sicher, er wird darum kämpfen. Aber realistisch und aufrichtig im Sinne des Gemeinwohls.

Werner Deppe, Hannover