Sie haben ein internationales Symposium über Geschlechtsentwicklungsstörungen organisiert, das vergangene Woche 160 Teilnehmer aus aller Welt nach Lübeck lockte. Worüber haben Sie diskutiert?

Über angeborene Abweichungen zwischen den Keimdrüsen und dem anatomischen Geschlecht. Es gibt Mädchen mit Eierstöcken und einem weiblichen Chromosomensatz, die bei der Geburt eine vergrößerte Klitoris haben, die an einen Penis erinnert.

Kann eine Operation die Geschlechtszuweisung eindeutiger machen?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil bei einem Neugeborenen längst noch nicht klar ist, ob die Psyche zum anatomischen Geschlecht passt.

Heute sind wir mit Operationen sehr zurückhaltend geworden, weil die Menschen am besten im Jugendalter entscheiden, welche Art der Korrektur sie wünschen.

Wann prägt sich bei Kindern die Geschlechtsidentität aus?

Das beginnt schon im ersten Lebensjahr. Babys mit einem nicht eindeutigen Genitalbefund sollten deshalb in einem besonderen Zentrum betreut werden, wo auch Psychologen die Entwicklung begleiten.