Obwohl alle Automobilhersteller schwören, ihnen sei nichts fremder als das vollautomatische Fahrzeug, ist der Trend offensichtlich. Immer mehr, auch sicherheitskritische Fahraufgaben übernimmt der Computer.

Der kann es einfach besser. Es gibt allerdings einige Ausnahmen. Nicht umsonst betont Mercedes, dass der tolle automatische Bremsassistent nur auf bewegte Hindernisse in der Fahrspur reagiert. Ein stehendes Stauende ignoriert er. Die Unterscheidung zwischen einem stehenden Auto und einer Brücke oder einer Baustellenbegrenzung, also Objekten, die mit Fug und Recht im Radarstrahl stehen, gelingt dem Assistenten nicht. Dazu müsste er Objekte nicht nur erkennen, sondern auch interpretieren können. Hierzu bedarf es intelligenter optischer Systeme, die verstehen, was sie sehen. Solche Systeme sind bei allen großen Herstellern in Arbeit. Serienreif sind sie noch nicht. Sie müssen sehr schnell arbeiten, erfordern viel Rechnerkapazität und dürfen vor allem keine Fehler machen. Da ist selbst ein müder Trucker noch weit besser als Kollege Bordrechner.

All die prachtvollen Assistenten sind leider noch woanders überfordert: Sie können sich nicht selbst am Markt durchsetzen.

Spediteure kalkulieren sehr hart. Die Frachtraten sind wegen der Billigkonkurrenz aus Osteuropa im Keller, die Belastungen durch Steuern, Maut und Spritpreise hoch. Da wird ein Notbremssystem wie ABA, das samt automatischer Abstandsregelung knapp 5000 Euro kostet, für die meisten Spediteure zum Luxus. Ein anständiger Safety-Truck, der alles hat, was heute an Sicherheitselementen im Angebot ist, kostet sogar rund 15000 Euro mehr als die Basisversion. Das übersteigt selbst die Vorstellungskraft von Spediteuren, die sich ihr Image einiges kosten lassen oder die ihre Fahrer verwöhnen möchten.

Der Safety-Truck wird darum so lange ein PR-Gag bleiben, wie die Kundschaft die Mehrkosten allein tragen muss. Das weiß Mercedes und hat darum jetzt einen Großversuch mit 500 Safety-Lkw gestartet. Er soll beweisen, dass der Notbremsassistent tatsächlich die Zahl der Unfälle reduziert. Und sich rechnet. Zunächst für die Versicherer, die dann bitte schön ihre Prämien für sicherheitsbewusste Spediteure senken.

Und dann wäre auch noch ein bisschen staatliche Förderung fein. So zahlen abgasarme Fahrzeuge weniger Maut warum nicht auch unfallarm belohnen? Es wäre doch toll, wenn man künftig im Notfall voll notbremsen könnte. Selbst wenn ein Lkw folgt und dessen Chauffeur schläft.

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