Fachkräftemangel ist nicht nur in der Slowakei, sondern auch in anderen Teilen Osteuropas ein Problem. Überall dort, wo die Wirtschaft rasant wächst, überfordert das Tempo des Strukturwandels häufig die Arbeitsmärkte. Gleichzeitig wandern immer mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte in die alten EU-Staaten aus, weil sie dort mehr verdienen. Zurück bleiben vor allem die Älteren sowie Menschen mit veralteten Qualifikationen und aus ländlichen Regionen.

Wo es boomt, gibt es Engpässe. Hoch im Norden meldet Estlands Bauwirtschaft einen empfindlichen Mangel an Fachkräften, verstärkt noch durch die Entscheidung Finnlands, seinen Arbeitsmarkt jetzt für Menschen aus den neuen EU-Staaten zu öffnen. Viele Ungarn erschraken unlängst über eine Studie, wonach mehr als jeder zweite Medizinstudent daran denkt, nach dem Abschluss im Ausland zu arbeiten.

Polen weist zwar mit knapp 16 Prozent die höchste Arbeitslosenquote innerhalb der Europäischen Union auf. Dennoch ergab eine Umfrage des polnischen Unternehmerverbandes, dass bereits 43 Prozent der befragten Mitglieder über Fachkräftemangel klagen. Besonders zu leiden haben die Bauwirtschaft, der Schiffbau und der Gesundheitssektor. Fünf Prozent der Ärzte haben das Land bereits verlassen. Und die traditionsreiche Danziger Werft muss auf ukrainische Schweißer und Monteure zurückgreifen, weil geeignete polnische Mitarbeiter fehlen. Rund 150000 Ukrainer arbeiten gegenwärtig illegal in Polen - vor dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 2004, der ihnen den Grenzübertritt erschwerte, sollen es sogar noch mehr gewesen sein.

Etwa eine Million Polen verdient ihr Geld bereits legal und registriert im Westen der EU, so die Angaben des Warschauer Arbeitsministeriums. Der Breslauer Bürgermeister Rafal Dutkiewicz zeigt sich besonders besorgt: Er kündigte einen Besuch in Großbritannien an, wo besonders viele Polen arbeiten, um Landsleute zur Rückkehr zu überreden. Die Abwanderung auch aus seiner Region steht den ambitionierten Plänen im Wege, rund um Breslau internationale Technologie- und Industriebetriebe anzusiedeln. Das Wochenmagazin Polityka lobte in Kooperation mit großen polnischen Arbeitgebern die Aktion Bleibt bei uns! aus Akademiker, die auf ein Angebot aus dem Ausland dann doch verzichteten, wurden mit zehn (polnischen) Durchschnitts-Monatsgehältern belohnt.