Warum die kalifornische Firma Intel in Schwierigkeiten steckt, haben die Technikfreaks als Erste verstanden. Über den Wettbewerb am heiß umkämpften Markt für Computerchips tauschen sich Experten meist mit Begriffen wie "Datenpfade", "Hyper-Threads" oder "Cachegrößen um Quad-Cores" aus. Und dass Intel bei dieser Art von Debatten seit Monaten schlecht wegkommt, hat nun auch Folgen für den Rest der Welt. Am Dienstag wurde bekannt, dass Intel-Chef Paul Otellini bis zur Mitte des nächsten Jahres 10.500 Mitarbeiter loswerden will, etwa ein Zehntel der Belegschaft. Schon im Juli hatte die Firma angekündigt, sie wolle 1000 Manager vor die Tür setzen.

Was ist da passiert? Wenn man das Fachchinesisch der Experten übersetzt, rächt sich bei Intel ausgerechnet, dass sich das Unternehmen frühzeitig für die Zukunft fit machen wollte. Der Personal Computer – der Rechner in der vertrauten Kastenform – hatte die Firma groß gemacht. Das Unternehmen fertigte nicht nur den Großteil der Prozessoren in solchen Geräten, sondern entwickelte dank einer beharrlichen Werbekampagne ("Intel Inside") auch eine eigene, starke Marke.

Doch die große Zeit der Personal Computer neigt sich dem Ende zu. Sie werden zu einem immer kleineren Faktor im IT-Markt, seit leistungsfähige Rechner auch in Geräten wie Fernsehern, Spielkonsolen, iPod-Musikabspielgeräten und elektronischen Taschenplanern stecken. Darauf wollte der 2005 angetretene Intel-Chef Otellini reagieren: Neu gegliederte Geschäftsbereiche sollten sich etwa um die Entwicklungen in Mobiltelefonen kümmern, um die Unterhaltungselektronik, um die Spezialanwendungen im Gesundheitswesen und so weiter. Intel-Chips konnten seither immer mehr Funktionen übernehmen, etwa sich selbstständig in drahtlose Funknetzwerke einklinken oder bewegte Bilder auf dem Bildschirm darstellen. Und wenn man den langjährigen Intel-Chefentwickler Pat Gelsinger nach der Zukunft des Computers fragte, war seine Vision eine Fülle von Kommunikations-, Spiel- und Bürogeräten – mit denen jedermann ständig herumlaufe, ein Intel-Chip pro Gerät.

Diese Zukunft mag kommen. Doch im Augenblick schlägt sie sich noch nicht in den Umsätzen nieder. Gleichzeitig fühlen sich die Hersteller klassischer Computer vernachlässigt, und so lag es vor allem an den schlechten Nachrichten aus dem "alten" Geschäft, dass der Intel-Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als ein Drittel gesunken ist und dass der Nettogewinn im zweiten Quartal um 56 Prozent fiel. Weniger Kunden als erwartet wollten den Intel-Top-Chip Itanium einbauen. Der bot zwar eine gute Leistung, war aber vielen zu teuer und zu hungrig nach Energie. Der kleinere Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) machte weniger ambitionierte, aber besser zu den Bedürfnissen passende Angebote. Selbst der bislang loyale Intel-Kunde Dell, der Computerriese aus Texas, baut nun AMD-Chips in Server-Computer und teure Spezialgeräte für Computerspieler ein. Das alles traf Intel schwer genug, um jetzt Massenentlassungen auszulösen.

Dass Intel – wie einige Beobachter es kommentiert haben – als "Dinosaurier" des Silicon Valley dem Untergang geweiht sei, ist freilich übertrieben. Intel investiert nach wie vor mehr in neue Entwicklungen als sein Konkurrent AMD, und in der Chipentwicklung ist es häufig so, dass sich zwei Konkurrenten alle paar Jahre gegenseitig überholen. Die Firmen NVidia und ATI zum Beispiel, die sich auf die Herstellung von Videochips spezialisieren, liefern sich seit Jahren eine solche Schlacht.