DIE ZEIT: Herr Profumo, die deutschen Sparkassen wollen um keinen Preis privatisiert werden. Ihre Bank, UniCredit, ist aus mehreren Sparkassenfusionen hervorgegangen, Sie sind quasi der Chef einer privaten italienischen Großsparkasse. Verstehen Sie die Angst Ihrer deutschen Kollegen?

Alessandro Profumo: Ich verstehe die Angst, aber ich teile sie nicht. Jede Veränderung, ganz gleich, in welchem Land und in welcher Branche, entfacht erst einmal Widerstände. In Italien hat die Privatisierung dazu geführt, dass sich die Anzahl der Banken kräftig reduziert hat. Binnen zehn Jahren ist ihre Zahl auf ein Fünftel geschrumpft. Da sind viele gut bezahlte Posten verloren gegangen. Der aktuelle Sparkassenstreit ist eine deutsche Angelegenheit, in die ich mich als Italiener nicht einzumischen habe. Allerdings lautet mein Rat, sich mit der italienischen Erfahrung zu beschäftigen.

ZEIT: Italien hat die Sparkassen Anfang der Neunziger per Gesetz umgewandelt. Wie hat man gewährleistet, dass sie weiter dem Gemeinwohl verpflichtet sind?

Profumo: Durch öffentliche Stiftungen. Sie wurden die neuen Eigentümer der Sparkassen, ohne in der Geschäftspolitik größere Mitspracherechte zu besitzen als andere Anteilseigner. Durch die Fusion der Sparkassen untereinander und spätere Börsengänge haben die Stiftungen sehr viel Geld erlöst. Diese Zinsen und Dividenden kommen nun dem Gemeinwohl zugute. Die Spenden fallen heute viel großzügiger aus als früher.