Fünf Jahre nach dem 11. September trägt New York noch immer Trauer.

Besonders deutlich zeigen das die Erdkrater an der verwundeten Stelle, wo Architekten, Immobilienkönige und Regierungsvertreter wie in einem surrealen Albtraum gefangen sind, der sie unfähig macht, dort, wo früher die Twin Towers standen, etwas Neues zu bauen. Es ist nicht bloß das Hickhack um Sicherheitsvorschriften und Entwürfe. Fast scheint es, als wäre das Loch in der Erde der wahre Ort der Erinnerung an den 11. September und als zögen die New Yorker das unsichtbare Abbild der alten Türme jedem neuen Bauwerk vor, das dort errichtet werden könnte. Jedenfalls gilt das für mich. Für mich wird viel zu laut über Gedenkstätten, Museen und einen neuen atemberaubenden Wolkenkratzer gestritten.

Früher trug ich Armeestiefel und sah mich als wilden Burschen

New York hat schon viele Krisen überstanden von den sieben Jahren Besatzung durch die Briten während der Revolution (17761783), als 11000 Amerikaner auf Gefangenenschiffen im Hafen starben, über die Aufstände während des Bürgerkriegs, als Schwarze an Laternenpfählen aufgeknüpft wurden, bis hin zum wirtschaftlichen Niedergang in den siebziger Jahren, als Hausbesitzer ihre Häuser anzündeten und die halbe Bronx brannte, New York finanziell ruiniert war und Präsident Gerald Ford uns zurief: Geht do ch zum Teufel! Doch die Brände in der Bronx hörten auf, und mit neu gefüllten Kassen war New York bald wieder das alte Monster.

Die Stadt befindet sich in einer ständigen Achterbahnfahrt, von ganz oben hinunter in den Bankrott und dann wieder hinauf. Sie lebt näher am Rande des Chaos als jede andere Metropole der Welt. Doch der 11.

September hat uns aus dieser Fahrt herausgerissen und sich in das Herz der Stadt eingebrannt. Man nehme nur die Symbole und Erinnerungstücke, die es an jeder Feuerwehrwache gibt, die am 11. September einen Mann verlor. Feuerwehrleute sind eine grimmige, wortkarge Gemeinschaft.

Doch als ich sie vor einem halben Jahr über die Folgen von 9/11 interviewte, waren sie gesprächig. Ihr Leben ist nach diesem Tag wie erstarrt, der 11. September verfolgt sie noch im Schlaf. Ein Feuerwehrmann notierte in einem Tagebuch seine verrückten Träume.