Leopoldshagen

Sie wollte nicht aufgeben obwohl die Sache aussichtslos schien. Erst blieben die Kleinen im Kindergarten aus. Dann fehlten sie als Erstklässler in der Grundschule von Leopoldshagen. Mal waren noch 14 Kinder mit ihren Zuckertüten da, mal nur sieben zu wenig, um mit einer neuen ersten Klasse einen neuen Schülerjahrgang zu begründen und so den Fortbestand der Schule zu sichern. Die Schweriner Regierung fordert 20 Schüler pro Klasse. Aber wenn man eine Schule schließt, wird sie nie wieder geöffnet, sagt Rosemarie Casties, die 58-jährige Schulleiterin. Und wenn keine Schule mehr da ist, ist Ruhe im Ort.

Dann zieht auch keiner mehr her.

Um in diesem Ort am Stettiner Haff an eine stabile Zukunft zu glauben, braucht man viel Optimismus. Leopoldshagen hat knapp 800 Einwohner, davon sind die Hälfte Rentner und gerade mal ein rundes Dutzend Erstklässler wenn man die Kinder aus den Nachbargemeinden Mönkebude und Grambin mitzählt. Vor allem Junge ziehen weg. Um das Jahr 2000 kam der Geburtenknick in der Grundschule an. Da entsann sich die Rektorin ihrer eigenen Grundschulzeit in Vorpommern, die sie gemeinsam mit den Schülern der anderen Jahrgänge in einem Raum verbracht hatte. Sie schlug dem Bürgermeister eine Kleine Schule auf dem Lande vor, ein Schulmodell, das Deutschlands Kinder vor allem aus Astrid Lindgrens Bullerbü-Romanen kennen: Alle Jahrgänge werden gemeinsam unterrichtet.

Kein Sechsjähriger soll gezwungen sein, am frühen Morgen eine Stunde weit mit dem Bus zu fahren, argumentiert Frau Casties. Die Eltern waren zunächst skeptisch. Die haben wir überzeugt, weil wir Deutsch und Mathe weiter separat unterrichten da ist die Betreuung sogar intensiver. In Musik, Religion oder Sport aber lernen nun erste, zweite, dritte und vierte Klasse miteinander.

Fünf Jahre ist die Gemeinschaftsgrundschule in Leopoldshagen inzwischen alt. Rosemarie Casties hat etwas erreicht, was nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern Vorbild sein kann, sondern auch in anderen schrumpfenden Regionen. Casties hat eine Schule gerettet und die Leistungen der Schüler verbessert. Seit wir eine Kleine Schule sind, haben es sehr viele Kinder aufs Gymnasium geschafft, sagt sie.

Bayern und Berlin verfolgen ähnliche Pläne aus pädagogischen Gründen