Auch neun Monate nach seiner Ernennung hat Michael Glos (CSU) noch immer Schwierigkeiten mit seiner Rolle als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Jüngstes Beispiel: Vor laufenden Kameras mäkelte Glos, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten neuen Regeln zum Kündigungsschutz noch nicht ausreichten. Das Wort des Ministers ein Affront nicht nur gegenüber dem Koalitionspartner SPD, sondern auch gegenüber der eigenen Fraktion. Die nämlich sieht beim Thema Kündigungsschutz keinen dringenden Handlungsbedarf, wie Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) betont. Die bestehenden Regelungen zur befristeten Beschäftigung seien bereits ein taugliches Instrument, um Arbeitsverhältnisse flexibel zu halten, gab der Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin zu Protokoll.

Was wiederum Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) freuen dürfte, der Änderungen am Kündigungsschutz sowieso ablehnt. Fazit: Der Vorstoß des Ministers verpuffte.

Wenig Durchschlagskraft zeigt der Bayer auch in Sachen Energiepolitik.

Interview-Anfragen, wie unter anderem von der ZEIT, lehnte Glos (Ich bin der Energieminster) aus Zeitgründen ab. Unter dem Titel Wir packen es an ließ der Minister lieber in einer Verlagsbeilage ausgewählter Sonntagszeitungen sein Konterfei nebst eines Zehn-Punkte-Energieprogramms abdrucken. Er wolle neue Impulse geben, um künftig Energie zu sparen oder effizienter zu verwenden, so seine Botschaft. Pikant dabei: Mitfinanziert wurde die Beilage von dem Energiekonzern E.on Energie. Ein Vorstand des Marktführers kam denn auch auf der vierten Seite der Beilage zu Wort und verkündetete ganz im Glosschen Sinne: Energiesparen nutzt jedem. Wenigstens der Energielobby ist Glos lieb und teuer.