Der slowakische Industriearbeiter ist ein Unternehmertraum. Motiviert, flexibel, belastbar und ausgesprochen billig - gleich nach den baltischen Staaten werden in der Slowakei die niedrigsten Löhne innerhalb der EU bezahlt. Drei Schichten, auch am Wochenende, sagt Jaroslav Holeek, der Personalchef bei VW Slovakia: Wir arbeiten hier sieben Tage pro Woche rund um die Uhr. So etwas finden Sie anderswo nicht ohne weiteres.

Kein Wunder, dass nach Volkswagen auch andere Autokonzerne das kleine Bergland als Produktionsstandort entdeckt haben. Peugeot investiert in Trnva, unweit des VW-Standorts Bratislava, im Westen des Landes. Und der koreanische Branchenaufsteiger Kia startet in der Provinzstadt ilina in der Nordslowakei demnächst sein erstes europäisches Werk, Jahreskapazität: zunächst 300000 Fahrzeuge. Schon verkünden die slowakischen Standortstrategen, ihr Land werde bald mehr Autos pro Kopf produzieren als jedes andere der Welt.

In dieser Rechnung steckt allerdings ein Problem, das den Automanagern mehr und mehr Kopfzerbrechen bereitet. Denn der beeindruckende Quotient Automobilproduktion pro Kopf kommt nicht nur deshalb zustande, weil in der Slowakei bald eine Million Kraftfahrzeuge im Jahr produziert werden können, wenn die Kapazitäten ausgeschöpft werden. Er fällt auch deshalb so imposant aus, weil die Zahl der Köpfe so gering ist. Die Slowakei hat nur gut fünf Millionen Einwohner. Rechnet man die Alten und Jungen und kaum Ausbildungsfähigen heraus, dann schrumpft die Zahl potenzieller Facharbeiter auf eine Zahl, die zu gering sein könnte für gleich drei Autohersteller und ihre Zulieferer.

VW findet keine Lackierer mehr, Kia braucht dringend IT-Spezialisten

Das Problem ist nicht, dass es hier keine passablen Mitarbeiter gibt, sondern dass alle gleichzeitig auf dieses Reservoir zugreifen, sagt VW-Manager Holeek. Kia hat jetzt seine zweite Bewerbungsrunde gestartet, Peugeots Rekrutierung ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen, und auch Volkswagen stellt ein. Offiziell spielen die Hersteller die Engpässe dennoch herunter. Die Facharbeiter für die erste Schicht habe Kia weitgehend aus der Region um ilina gewinnen können, behauptet Unternehmenssprecher Dusan Dvorak. Und Volkswagen-Mann Holeek glaubt, sein Haus könne aufgrund seines guten Namens die Mitarbeiter halten und auch neue hinzugewinnen.

Doch hinter den Kulissen entwickelt sich die Personalfrage mehr und mehr zum Stressfaktor für Automanager. Kia räumt einen Mangel an IT-Spezialisten ein, und Volkswagen hat es aufgegeben, nach slowakischen Lackierern zu suchen: Die gibt es nicht auf dem Markt, so VW-Manager Holeek. Wir müssen sie selbst ausbilden. Miroslav Poliak von der Unternehmensberatung Amrop Jenewein in Bratislava berät alle Hersteller in Personalfragen. Um Aufträge braucht er sich momentan nicht zu sorgen. Die Freude darüber ist allerdings getrübt.

Poliak sorgt sich um sein Land. Der enorme Zustrom an Investitionen in den letzten Jahren hat unseren Arbeitsmarkt überfordert, sagt er.