Google earth ist nicht gut für die Menschen. Seitdem dieses Internet-Programm uns zeigt, wie klein wir sind, vom All aus gesehen, steigt die Zahl der Google-earth-Kunstwerke sprunghaft: Menschenaufläufe, soziale Skulpturen, die von ganz oben gesehen werden wollen. In Berlin, zum Beispiel, findet am Samstag auf dem Bebelplatz eine Weltrettungstat statt, die das ganze All angeht: The table of free voices. 112 große Minds Denker, Künstler und Unternehmensberater werden am größten runden Tisch der Weltgeschichte sitzen und Fragen beantworten, die der Verein Dropping Knowledge e. V. im Internet gesammelt hat. Fragen wie Was kann ich persönlich tun, um der Welt zu helfen? und Macht uns die Existenz a priori schuldig?.

Der Tisch, von Allianz groß gesponsert, hat einen Durchmesser von 33 Metern, und vom All aus wird man die rauchenden Köpfe von Wim Wenders, Jonathan Meese, Avi Primor und vielen anderen sehen. Auf jeden Mind wird eine Kamera und ein Mikrophon gerichtet sein. Jeder wird 100 Fragen beantworten, was 11200 Antworten und 700 Stunden Filmmaterial ergibt, welche flugs ins Netz gestellt werden und dort eine Living Library, die Bibliothek der aktuellen Weltintelligenz, darstellen sollen.

Heiner Müller hat gesagt: Natürlich sind zehn Deutsche dümmer als fünf Deutsche. Das Berliner Projekt lässt sich gegen Müllers Verdacht in Schutz nehmen, da die wenigsten der 112 Denker Deutsche sind. Der Initiator des Table of free voices aber ist Deutscher, gar Schwabe. Es ist der Film- und Werbespotregisseur Ralf Schmerberg, der als seine Vorbilder Albert Schweitzer, Gandhi und Mutter Teresa nennt. Er will zweierlei. a: die Welt soll besser werden - b: die Welt soll wissen, wem sie das verdankt. Teresa, Gandhi, Schmerberg man wird sie künftig in einem Atem nennen.

Schmerberg wird das Round-Table-Material zu einem Film verarbeiten. Am Ende wird der Runde Tisch ins Guinness Buch und Schmerbergs Film ins Kino kommen, und wir werden wieder was gelernt haben: Kunst, Reklame, Weltrettung und Narzissmus waren nie so nah beieinander wie heute. Vom All aus sind sie jedenfalls kaum noch zu unterscheiden.

Noch etwas lernen wir. Unsere Zeit gehöre der Schwarmintelligenz, heißt es. Die Gruppe sei intelligenter als der Einzelne, heißt es.

Nun, manchmal dient der Schwarm auch dazu, dass der Einzelne seine private Schlauheit darin ganz wunderbar verbergen kann.