Als Eliv Sancak schwanger wurde, hatte sie einen Mann, aber kein Einkommen, Bildung, aber keinen Beruf, eine Familie, aber nicht deren Unterstützung. Deshalb musste sie nicht überlegen, was zu tun war. Es geht nicht, sagte der Kopf. Ich will aber, sagte der Körper. Doch ein Blick auf den Kontostand genügte, und der Kopf bekam Recht. Also entschloss sich Eliv Sancak, die immer gegen Abtreibung gewesen war, zu einem Schwangerschaftsabbruch. Sie ging zu einer Beratungsstelle.

Einer mit katholischem Hintergrund. Sie ist zwar keine Katholikin, und eigentlich wollte sie auch nur den Beratungsschein, der sie zum Abbruch berechtigen würde, aber Gott sollte bei diesem Gang eine Rolle spielen. Das war ihr wichtig. Das gab ihr Vertrauen.

Dass sie dieses Vertrauen haben konnte, verdankt Eliv Sancak letztlich der Hartnäckigkeit der katholischen Laien in Deutschland. Denn deren Amtskirche, so haben es die Bischöfe erst kürzlich in einer gemeinsamen Erklärung bestätigt, missbilligt das Engagement ihrer Gläubigen in der Schwangeren-Konfliktberatung und distanziert sich ausdrücklich davon. Kurz vor dem Besuch des Papstes in Bayern sollten auf Wunsch des Vatikans alle Unklarheiten beseitigt werden, die in Bezug auf den größten Beratungsverein Donum Vitae und dessen Beziehungen zur Amtskirche noch hätten bestehen können. Bei dem privaten Verein Donum Vitae handelt es sich um eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche, heißt es deshalb in dem Schreiben.

Es dürfe keine institutionellen oder personellen Kooperationen zwischen Donum Vitae und kirchlichen Einrichtungen geben. Dazu gehöre auch, dass sie nicht im selben Gebäude untergebracht werden sollen.

So weit, so klar, so absehbar.

Rita Waschbüsch, Bundesvorsitzende von Donum Vitae, nennt die Erklärung deshalb auch nichts weiter als die Beschreibung eines Ist-Zustands. Und in der Tat ist sie nur die neueste Wendung in einem Grundsatzstreit, den die deutschen Katholiken seit 1995 mehr oder weniger offen austragen. Letztlich geht es dabei um die Frage: Pragmatismus oder Prinzip? Stellen sich die Katholiken den Problemen schwangerer Frauen, die eine Abtreibung erwägen, diskutieren mit ihnen Für und Wider eines Abbruchs und riskieren, sich die Hände schmutzig zu machen, weil sich das lehrt die Statistik die Mehrheit der Frauen gegen das Kind entscheiden wird? Oder heiligen sie das Prinzip und entziehen sich dem Problem, aber auch der Möglichkeit, 10 oder 20 Prozent der Kinder zu retten? Für Rom war die Antwort klar.

Prinzipientreue über alles. Der damaligen Papst Johannes Paul II. wies die Bischöfe an, aus dem System der Schwangeren-Konfliktberatung auszusteigen, und diese taten wie geheißen.