Viele haben hier schon gewartet, so richtig wohl gefühlt hat sich niemand. Zimmer 209 liegt im zweiten Stock der Agentur für Arbeit – des Arbeitsamts – in Hamburg-Harburg. Wer hierher kommt, fühlt sich aussortiert. Nutzlos. Hilflos. An der Endstation. In Zimmer 209 werden nur Leute geschickt, die als Problemfall gelten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Hier landen alle, die älter sind als 50.

Deshalb sitzt Regina Schwarze an diesem Morgen in dem kleinen Büro. "Ich weiß nicht, was ich falsch mache", sagt sie. Seit dreieinhalb Jahren sucht sie eine Stelle. Als Empfangssekretärin würde sie gerne arbeiten, so wie früher, oder in einer Telefonzentrale, auch als einfache Bürohilfe hat sie sich beworben. Einhundert Bewerbungsmappen hat sie im vergangenen halben Jahr losgeschickt. "Aber ich habe nicht einmal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen."

In Zimmer 209 lächeln zwei Senioren von einem Werbeplakat. "Erfahrung ist Zukunft" steht neben ihren strahlenden Gesichtern und "Alte Werte. Neue Arbeit". Regina Schwarze muss es wie Hohn erscheinen. "Früher hatte ich nie Probleme, einen Job zu finden", sagt die 52-Jährige.

Ist Regina Schwarze einfach zu alt?

Politisch scheint die Frage geklärt: "Initiative 50plus" heißt das Programm, mit dem die Große Koalition die Älteren zurück in die Büros und Fabriken holen will. "Rente mit 67" lautet die neue Leitlinie in der Rentenpolitik. Ginge es danach, hätte Regina Schwarze noch 15 Berufsjahre vor sich – Zeit für eine ganze Karriere.