"Wir haben messbare Verhinderungserfolge."

Wann? Wo? Welche? "Es ist die Grundkrux jedes Nachrichtendienstlers, über Erfolge nicht reden zu dürfen."

Mit welchen Methoden die Erfolge bisweilen möglich werden, ist ein weiteres Nichtthema in Agentenkreisen. Fragt man sie, wie sie mit der Tatsache umgehen, dass viele ihrer Informationen aus jenen arabischen Ländern stammen, die für ihre Folterkeller berüchtigt sind, bekommt man zu hören: "Woher wissen Sie, dass im konkreten Fall gefoltert wurde?" Oder es heißt: "Wir sind auf den Schulterschluss mit arabischen Staaten angewiesen – auch wenn ihre Rechtsstaatlichkeit zu wünschen übrig lässt." Was bedeutet: Wer sich in diesem Gewerbe moralisch verhält, riskiert, sich zugleich verantwortungslos zu verhalten – ein unauflöslich anmutendes Dilemma.

Draußen, im Innenhof der Berliner BND-Zentrale, macht die nationale Sicherheit gerade Mittagspause. Ein Pärchen, sie im Sommerrock, er im bunten T-Shirt, schlendert Hand in Hand übers Kopfsteinpflaster. Sie schlecken ein Eis, schauen in den blauen Himmel und wieder hinunter auf ihre Schuhspitzen. Sie plaudern leise, lächeln.

"Es gibt viele Ehen im Bundesnachrichtendienst", hat ein Geheimdienstler gesagt. "Das liegt an dieser besonderen Behördengemeinschaft. Außerdem kann man dann zu Hause auch mal Dampf ablassen." Das Pärchen spaziert weiter, vorbei an dem viereckigen Teich, der vor dem Gebäude des Führungsstabes in die Erde gebaggert ist. Am Rand des Teiches steht ein BND-Mann und versucht, zwei Enten mit Brotkrumen zu füttern. Sie schwimmen in die andere Richtung. Die Tiere fremdeln noch ein wenig mit ihrem neuen Zuhause. Der Teich liegt auf dem Exerzierplatz einer ehemaligen Polizeikaserne im Südwesten von Berlin.

Berlin – der BND ist neuerdings mittendrin statt nur dabei. Er schwimmt, zaghaft noch, mit im großen Haupstadt-Pool. Rund 1400 Beamte des Nachrichtendienstes sind nach eigenen Angaben schon nach Berlin umgezogen. Etwa 2600 arbeiten noch im Hauptquartier in Pullach und in anderen Außenstellen in Süddeutschland. Das Verhältnis soll sich bis zum Jahr 2012 umkehren, dann will der BND eine neue Zentrale in der Chausseestraße in Berlin-Mitte eröffnen. 250000 Quadratmeter groß soll sie werden, den Mitarbeitern Grünflächen bieten und Besuchern einen Souvenirshop. Nur die technische Beschaffung, also Augen und Ohren des Dienstes, bleibt weiter hinter den Mauern von Pullach verborgen.