Am Ende macht sich die Plattenindustrie selbst zum Frosch. Sieben Jahre lang kämpfte sie erbittert gegen Raubkopierer, die Tauschbörsen im Internet gründen und dort gratis Musik anbieten, die ihnen nicht gehört. Jetzt wollen die beiden großen Studios Universal und EMI selbst in die Gratisverteilung ihrer Titel einsteigen. In den USA und Kanada werden sie im Dezember ein werbefinanziertes Portal namens Spiralfrog (Spiralenfrosch) starten.

Je mehr Besucher, desto mehr bezahlte Werbung nach diesem Geschäftsmodell agieren Internet-Portale seit Mitte der Neunziger. Bei Spiralfrog aber sollen musikbegeisterte Nutzer erstmals quasi zwangsweise auch Werbung konsumieren. Bei der ersten Einwahl werden sie zum Herunterladen und Installieren einer Software aufgefordert, ohne die keine Gratismusik auf den Rechner kommt. Das Programm achtet darauf, dass der Bezug eines einzelnen Songs mindestens 90 Sekunden dauert. In dieser Zeit werden Werbefilme eingespielt: für jedes Musikstück ein Spot.

Die Software sorgt dafür, dass jeder Teilnehmer gleichzeitig nur einen Titel auf den PC holen kann. Sie soll außerdem das Kopieren der Lieder auf CD verhindern. Denn sobald Musik sich auf eine Audio-CD übertragen lässt, ist jede Kopiersperre wirkungslos. Man kann die Stücke aber auf bis zu zwei digitale Musikspieler übertragen nur nicht auf den verbreiteten Apple iPod, da Spiralfrog auf ein Abspielformat des Konkurrenten Microsoft setzt. Einmal im Monat müssen Teilnehmer die Website besuchen, sonst verfällt die Abspiellizenz für bereits heruntergeladene Musik. Nach sechs Monaten müssen die Songs erneut heruntergeladen werden Erduldung von frischer Werbung inklusive.

Auch unsere Musik ist nicht gratis, erklärt Lance Ford, der Chefverkäufer von Spiralfrog. Die Kunden bezahlen bloß nicht mit Geld, sondern mit ihrer Zeit. Das Zielpublikum von Spiralfrog sind Teens und Twens, also Menschen, die wahr-scheinlich mehr Zeit als Geld haben.

Von den Werbeinnahmen bezahlt Spiralfrog die Plattenstudios, die die Musik liefern und ihre Künstler entlohnen müssen. Kommen keine Besucher, ist das Unternehmen den Liederlieferanten auch nichts schuldig.

Zwölf Milliarden Dollar Werbegeld sind im vergangenen Jahr in den USA ins Internet geflossen, 2006 sollen es 16 Milliarden sein. Die Werber wollen übers Web die Zielgruppe der konsumfreudigen 15- bis 34-Jährigen erreichen. Besonders jene, die lieber eine illegale Musiktauschbörse im Web aufsuchen, als sich im Laden eine CD zu kaufen.

Das System Spiralfrog funktioniert wie jedes Internet-Portal nach dem Gesetz der Masse. Bleiben die Interessenten aus oder bevorzugen sie weiter die illegalen Tauschbörsen, wäre das für die beteiligten Studios der GAU. Deshalb sollen beim angepeilten Start im Dezember erstmals sämtliche Titel von Universal und EMI angeboten werden.