Sich im Kreis der großen Auktionshäuser als mittelständisches Unternehmen zu behaupten, erfordert Elan, Professionalisierung und Mut zur Verjüngung. Bei entsprechendem Einsatz aber ist es nicht ausgeschlossen, auch mal bessere Ergebnisse als der Riese Sothebys zu erzielen. Das gelang beispielsweise dem Münchner Traditionshaus Karl &amp - Faber auf seinem Spezialgebiet Arbeiten auf Papier. Die Blumenaquarelle und Gouachen von Georg Dionysius Ehret, 1710 in Erfurt geboren, erzielten kürzlich in München deutlich bessere Preise als in London. Für 30420 Euro wurde eine gelbe Feigenkaktusblüte auf Pergament zugeschlagen. 28000 Euro war einem Sammler eine in gleicher Technik gemalte Magnolie aus dem Jahr 1763 wert.

1923 gründeten der Kunsthistoriker Georg Karl und der Germanist Curt von Faber du Feur ihr Auktionshaus im Herzen Münchens. Im Luitpoldblock an der Brienner Straße ist es noch heute ansässig, inzwischen flankiert von den ersten Adressen des Antiquitätenhandels.

Die beiden Gründer hatten sich im Schützengraben während des Ersten Weltkriegs kennen gelernt und träumten von schöneren Dingen. Zunächst machten die Auflösungen adliger Bibliotheken das Haus schnell weltweit bekannt - heute liegt der Schwerpunkt neben illustrierten Büchern vor allem auf Papierarbeiten aus fünf Jahrhunderten von Albrecht Altdorfer bis Andy Warhol (hinzu kommen ausgesuchte Gemälde des 15.

bis 20. Jahrhunderts). 200 Auktionen hat Karl &amp - Faber seit seiner Gründung durchgeführt.

Im Jahr 2003 stieg der damals 31-jährige, auf Urheberrecht spezialisierte Jurist Rupert Keim in das Familienunternehmen ein. Ihm schienen vor allem internationale Kontakte wichtig für die Zukunft des Hauses, und nun verfügt es über Repräsentanzen in New York, Düsseldorf, Hamburg und Basel. Auch wenn sich in München mit der Eröffnung der Pinakothek der Moderne viel für die Kunst getan hat, so müssen wir doch an den großen Sammlerzentren vertreten sein, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Und so reist er denn, zu Expertentagen in den eigenen Repräsentanzen oder zur Akquisition neuer Ware, nach Basel und Zürich, New York, Stuttgart und London.

In New York konnte Karl &amp - Faber neue Kunden finden. Da sind einerseits jüdische Emigranten, die bis 1938 ausgewandert sind, ihre Kunstwerke noch mitnehmen konnten und sie nun veräußern wollen, sagt Rupert Keim. Und dann sind da deren Nachfahren, die vielleicht auch aus Verbundenheit zur Heimat nach dem Krieg begonnen haben, deutsche Kunst zu sammeln. Solche möglichen Käufer wie Verkäufer werden von den Karl &amp - Faber-Mitarbeitern angesprochen und betreut, desgleichen die Erben-Erben-Generation, die über die nötigen Mittel verfügt und die sich gern mit Kunst umgibt.

Der besondere Stil des Hauses zeichnet sich dadurch aus, dass man behutsam Kontakte aufbaut, lieber Dinge mit einer langen Vorlaufzeit möglichen Käufern schmackhaft macht, als sie gleich auf den Markt zu werfen. Eine Reihe von weißen Blumen-Scherenschnitten auf blaugrauem Papier von Philipp Otto Runge (um 1808/09) brachte im Jahr 2005 erstaunliche Ergebnisse: 95940 Euro für ein Blatt mit einem Fliederzweig, 68794 Euro für einen Lilienstängel und 100620 Euro für eine 26 mal 12 Zentimeter große Narzissenblüte keine der Arbeiten war höher geschätzt als 18000 Euro.