Beim Leverkusener Bayer-Konzern sorgen streunende Gene für Ärger. Anfang der Woche hatte Greenpeace genmanipulierten Reis in Packungen der Marke Bon-Ri von Aldi Nord gefunden. Er enthielt Spuren der nicht zugelassenen Reis-Sorte LL601, für die Bayer die Patente hält.

Inzwischen veröffentlichte die EU-Kommission eine Untersuchung des Europäischen Verbandes der Reis-Mühlen, die Verunreinigungen bei 33 von 162 Proben nachweist. Daraufhin wurden Lieferungen der aus den USA importierten betroffenen Reissorten gestoppt oder aus dem Handel genommen.

Die Patente hat Bayer im Jahr 2002 zusammen mit dem Gentechnik-Geschäft vom französischen Aventis-Konzern erworben. Da der gegen Pflanzenschutzmittel resistente Reis nie vermarktet, sondern bis zum Jahr 2001 auf Versuchsfeldern angebaut wurde, wird untersucht, wie es zu der Verunreinigung konventionellen Saatgutes überhaupt hat kommen können. Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium hat in seine Untersuchung auch die damals an der Forschung beteiligte Louisiana State University einbezogen. Die Affäre drückt nun die Reis-Preise, was die amerikanischen Bauern ärgert. Erste Klagen gegen den deutschen Konzern lägen vor, bestätigte Bayer-Sprecherin Annette Josten.

Dies ist nicht der erste Skandal, der die Sparte erschüttert. Im Jahr 2000 tauchten Spuren einer nicht für den Verzehr zugelassenen Mais-Sorte in Nachos und Taco-Chips auf, was zu teuren Rückrufaktionen in den USA führte und bei Aventis letztlich den Anstoß für den Verkauf der Tochter gab. Obwohl die Haftung in diesem Fall beim Verkäufer blieb, hat Bayer an dem Agrogeschäft bisher so recht keine Freude.

Aufgrund der schleppenden Geschäfte verkündete der Konzern erst vor zwei Wochen noch den Abbau von insgesamt 1500 Stellen.