In der Fallschirmspringersprache hieße das eine Punktlandung. Exakt zum Papstbesuch und mitten in das Gerede über die Rückkehr der Religion, das sogar über Christiansens Stammtisch schwappte, erscheint: Polonius Fischer. Hauptkommissar, 1,92 groß, seit 14 Jahren Morder-mittler im Kommissariat 111 München, davor: Mönch.

Friedrich Ani, neben Wolf Haas (aber der schreibt zurzeit übers Wetter) der beste Kriminal-schriftsteller deutscher Sprache, ist ein Igel, der seit je dorthin ging, wo Angsthasen nicht ankommen. Schon der Kommissar Tabor Süden, um den Ani 14 alle Konventionen umstürzende Romane verfasst hat, war jeder, der ein Auge hatte zu lesen, weiß das ein Gottsuchender. Für ihn musste es etwas jenseits der Vorschriften geben, das er aber nicht finden konnte. Deshalb quittierte er einen sinnlos gewordenen Dienst und stellte sich nackt in den Wald, ein dicklicher Mann auf einem Bein.

Polonius Fischer, Anis neuer Kommissar, hat die Suche nach Gott hinter sich. Als Gott nicht mehr zu ihm gesprochen hat, verließ er das Klos-ter. Aber Christ ist Fischer geblieben. Ein seltsa-mer. Sein Chef hält ihn für den vorurteilsfreisten Menschen, der ihm begegnet ist.

Eine Frau ist tot in einer Garage gefunden worden, ihre kleine Tochter wurde wohl entführt. Als Fischer erstmals mit den Eltern der Toten spricht, rezitiert er vor der juristischen Belehrung Psalm 142: Mit lauter Stimme schreie ich zum Herrn Für Vernehmungen hat Fischer einen eigenen Raum. Dort hängt ein Kruzifix, und dort wird der starke Kommissar mit der Schwäche der Institution konfrontiert, für die er arbeitet. Denn der Mann, der das kleine Mädchen entführt und die Mutter getötet hat, hat dort gerichtet, wo die Justiz kein Recht mehr hat. Er provoziert: Alles, was Sie interessiert, ist: Hat der Mann die Tat begangen? Er hat nur Rechtes getan und ein Leben gerettet.

Warum will Fischer ihm das nicht abnehmen?

Religion ist entstanden, um der Provokation des Todes etwas entgegenzusetzen. Der Krimi-nalroman ist eine säkularisierte Form der Rede über den Tod, ein abgemagerter Verwandter der religiösen Erzählung. Deshalb hat es immer auch Ermittlerfiguren gegeben, die Kirchenleute wa-ren: Rabbi Kemelman oder Father Brown. Ihr Beruf und die darin erworbenen Zusatzkenntnisse in Seelenkunde und Talmud-Logik halfen ihnen, als bessere Detektive dort zu schnüffeln, wo die Staatsgewalt nicht hinkam. Ani ist auf neue Weise radikal. Gegen die Gewöhnung an alle medialen Schattierungen des Tötens erzählt er von einem Kommissar, der provoziert. Fischer hat nach 14 Dienstjahren in der Mordkommission immer noch nicht verstanden, warum Menschen töten.

Er ermittelt mit Gott. Das ist der säkularisierten Gesellschaft eine Provokation und das krasse Gegenteil zu allen Reli-Events.