Ihren Artikel fand ich sehr unterhaltsam, aber auch sehr deutsch. Ich lebe mit Mann und vier Kindern seit 15 Jahren in Norwegen, und hier wäre ein solcher Artikel undenkbar. Die Norweger würden einfach nicht die Problematik erkennen.

Es ist nämlich Gang und Gebe, sein Kind mit auf die Arbeit zu nehmen, wenn alle Stricke reißen. In Norwegen arbeiten praktisch immer beide (abgesehen von einem Jahr Mutterschaftsurlaub). Das Kindergartenangebot ist gut und deckt normalerweise die Arbeitszeit ab. Aber mehrmals im Jahr hat der Kindergarten Planungstage, oder man hat eine Tagesmutter, und die ist krank. Dann nimmt man das Kind eben mit ins Büro. Sicher keine optimale Situation, aber auch kein Weltuntergang. Niemand würde einen deswegen schief ansehen. Kann eben vorkommen.

Natürlich gilt es, das Kind halbwegs ruhig zu halten, beliebt ist ein ungenutzter Versammlungsraum, wo man mit Laptop und Beamer Filme im Großformat sehen kann. Für die Kleineren hat die Empfangsdame eine Kiste mit Spielzeug unter ihrem Schreibtisch. Wenn der Chef vorbeikommt, versorgt er die jungen Besucher mit Schokolade. In der Firma meines Mannes gab es letztens sogar ein Sicherheitskommuniqué: Schlafende Kleinkinder sind unter dem Schreibtisch zu lagern. Ein Mitarbeiter hatte nichtsahnend das Büro eines Kollegen betreten und war beinahe auf den schlafenden Filius getreten

Sicherlich leidet die Produktivität des Mitarbeiters etwas an diesem Tag, aber das lässt sich normalerweise wieder aufholen. Dafür macht es den Alltag der Arbeitnehmer mit kleinen Kindern einfacher. Zusammen mit vielen anderen Elementen trägt diese lockere Einstellung zu Kindern am Arbeitsplatz sicher dazu bei, dass die norwegische Geburtenrate eine der höchsten in Europa ist. Hier gehören Kinder noch zum Alltag, eben auch zum Arbeitsalltag.

Antje Barsch, Asker/Norwegen

Die Kinder und das ganze Ressort LEBEN: geschafft